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Grevenbroich: Prozessauftakt im Fall „Verena P.“

Grevenbroich : Prozessauftakt im Fall „Verena P.“

Grevenbroich (mape) Sie sitzt seit acht Monaten in Untersuchungshaft - nun wird sie ab kommendem Dienstag im Kölner Landgericht auf der Anklagebank Platz nehmen: Der 22-jährigen Grevenbroicherin Verena P. wird wegen Totschlags der Prozess gemacht.

Grevenbroich (mape) Sie sitzt seit acht Monaten in Untersuchungshaft - nun wird sie ab kommendem Dienstag im Kölner Landgericht auf der Anklagebank Platz nehmen: Der 22-jährigen Grevenbroicherin Verena P. wird wegen Totschlags der Prozess gemacht.

Die junge Frau soll an einem Adventssamstag im Dezember vergangenen Jahres im Kölner Innenstadt-Café "Printen Schmitz" ein Baby zur Welt gebracht und es anschließend getötet haben. Nun drohen ihr 15 Jahre Haft.

"Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Baby gelebt hat", so Hubertus Nolte, Sprecher am Kölner Landgericht, "der Säugling soll geatmet und gezappelt haben." Die Ermittler stützen sich dabei auf das, was Verena P. kurz nach ihrer Festnahme am Tattag ausgesagt hat. "Sie hat ein Geständnis abgelegt", sagt Oberstaatsanwalt Alf Willwacher, "das war eindeutig."

Demnach soll die 22-Jährige das Kind nach der Geburt in einen Mülleimer gestopft und es zurückgelassen haben. Als eine Putzfrau das Baby einige Zeit später fand war es tot. "Wir gehen davon aus, dass die Beschuldigte das Kind bewusst getötet hat", so die Staatsanwaltschaft.

Anders sieht der Anwalt der Angeklagten, Andreas Kerkhof, den Fall. Der Jurist, der auch als Anwalt in der SAT1-Show "Richterin Barbara Salesch" auftritt, will Verena P. vor Gericht frei pauken. "Ich halte das angebliche Geständnis meiner Mandantin für nicht verwertbar", so Kerkhof, "es darf nicht sein, dass eine junge Frau in dieser Ausnahmesituation kurz nach der Geburt solange befragt wird, bis sie endlich ein Geständnis ablegt.

Würde ich als Anwalt so vorgehen, hätte eine ich Anzeige wegen Nötigung auf dem Tisch." Außerdem sei aus seiner Sicht überhaupt nicht geklärt, ob das Kind überhaupt gelebt hat. "Möglicherweise war es eine Totgeburt", so der Anwalt: "Nach Angaben der Rechtsmediziner ist die Sachlage nicht eindeutig."

Seine Mandantin sei von der Situation in dem Cafe in der Kölner City völlig überrascht worden. Sie habe einen Einkaufsbummel mit Freundinnen über die Weihnachtsmärkte machen wollen. "Das Kind ist erheblich zu früh gekommen", so Kerkhof, "sie konnte damit an diesem Tage nicht rechnen." Sein Ziel: ein Freispruch. "Wenn das nicht gelingt, streben wir eine Bewährungsstrafe an", sagt der Anwalt, "Frau P. war lange genug von ihren anderen beiden Kindern getrennt."

Doch nicht nur in Grevenbroich, der Heimat von Verena P., wird immer wieder über den Fall diskutiert. Auch in den verschiedenen Schwangerschaftsberatungsstellen im Rhein-Kreis Neuss ist er immer wieder Thema. "Wenn so etwas passiert, steht man oft ohnmächtig davor", sagt Barbara Berendt-Laermanns von "Frauen beraten - Donum Vitae" in Neuss: "Wir fragen uns, warum diese junge Frau nirgendwo Hilfe gefunden hat." Möglicherweise habe auch das Umfeld nicht früh genug reagiert.

"Wir appellieren deshalb auch an Familienmitglieder oder Freunde: Wenn Ihnen in Ihrem Umfeld eine Frau mit einer erheblichen Gewichtszunahme auffällt, dann sprechen Sie sie an." Wenn sie sich anschließend nicht offenbare, könne man sich auch ohne Wissen der Betroffenen an die Beratungsstellen wenden.

"Bei uns gilt die Schweigepflicht", so Berendt-Laermanns, "wir können in solchen Fällen aber oft helfen." So hätte die junge Frau aus Grevenbroich die Möglichkeit gehabt, ihr Kind an einer Babyklappe abzugeben oder es anschließend zur Adoption freizugeben. "Leider hat sie die Hilfen nicht in Anspruch genommen."

So bleibt jetzt vor Gericht nur die Frage, ob und wie Verena P. zu bestrafen ist. Ihre beiden anderen Kinder leben derzeit bei den Großeltern. Sollte es zu einer Verurteilung wegen Totschlags kommen, werden sie ihre Mutter - wenn überhaupt - einige Jahre lang nur im Gefängnis besuchen können. Prozessbeginn ist am Dienstag um 9.15 Uhr in Saal 210 des Kölner Landgerichts.

(NGZ)