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Grevenbroich: Protest gegen Seniorenresidenz

Grevenbroich : Protest gegen Seniorenresidenz

Der Verein zur Erhaltung des Gartenstadtcharakters Wevelinghovens kämpft weiter gegen die geplante Seniorenresidenz. Im November sieht sich das Gericht vor Ort um. Investor Martin Reimer glaubt an das Projekt.

Große Transparente mit Aufschriften wie "Wohnhäuser statt Wohnsilos" oder "Mehr Wohnqualität, mehr Stadtgrün — weniger Beton" bildeten am Samstag einen Kontrast zur Idylle der Unterstraße. Anwohner und andere Wevelinghovener, die sich im Verein zur Erhaltung des Gartenstadtcharakters Wevelinghovens zusammengeschlossen haben, sehen genau diese Idylle durch die geplante Seniorenresidenz mit 26 Altenwohnungen in Gefahr. Am Samstag informierte der Verein über seine Argumente, rund 50 Bürger kamen.

Eine Kritik: Der Neubau könne den Charakter der Gartenstadt verändern. Laut der Vorsitzenden Dorothee Gassen ist der bis zu 13 Meter hohe und 60 Meter lange Baukörper zu groß, zu massiv. Im Mai hatte die Stadt die Baugenehmigung erteilt. Gegen diese klagen jetzt zwei Anwohner vor dem Verwaltungsgericht, das macht sich im November vor Ort ein Bild. "Der Widerstand nimmt nicht ab", sagt Gassen. "Unsere Proteste werden oft so ausgelegt, als wären wir gegen Altenwohnungen. Das sind wir nicht." Die Kritiker befürchten aber, dass andere Bauwillige im Ort sich auf dieses Projekt berufen könnten. Und sie erwarten Nachteile für die direkt Betroffenen — etwa Verschattung. Karl Hussmann sieht als Besitzer eines Hauses an der Unterstraße höhere Heizkosten und Wertminderung auf sich zukommen: "Dunkle Wohnräume bekommt man weder gut vermietet noch verkauft." Auch Jürgen Mayer, Besitzer des Mietshauses auf der Unterstraße/Ecke Könensgasse, ist besorgt: "Wenn das Ding kommt, gehen mir meine Mieter laufen."

Gassen entfaltet den Rahmenplan von 1989/90, als Hans Gottfried Bernrath Bürgermeister und Heiner Küpper Stadtdirektor war: "Die Entwicklung einer Stadt braucht Leitlinien", ist da zu lesen. Diese Leitlinien seien aber nicht beschlossen worden. Doch die Kritiker sind der Auffassung, dass auch der Paragraph 34 des Baugesetzbuches genug hergibt, um das Projekt in der geplanten Form zu kippen. Wenn kein Bebauungsplan vorliegt, muss laut diesem Paragraphen sich das Vorhaben an die bestehende Bebauung im Umfeld anpassen.

Architekt und Investor Martin Reimer aus Dormagen gibt sich gegenüber der NGZ zuversichtlich: "Wir haben uns bemüht, auf die Bedenken einzugehen, haben beispielsweise das Staffelgeschoss ein Stück nach hinten geschoben." Und weiter: "Ich glaube, dass wir vor dem Verfahren keine Angst haben müssen, dass wir im Recht sind." Dass eine Reduzierung der Wohnfläche seinen Gewinn schmälern würde, stehe nicht im Mittelpunkt: "Es geht darum, dass die Infrastruktur-Kosten auf möglichst viele Wohnungen umgelegt und somit erschwinglich werden." Wohnmöglichkeiten für Senioren im Ortszentrum seien städtebaulich von großer Bedeutung.

(NGZ)