Professor Manfred Becker-Huberti hat Buch über heiligen Nikolaus verfasst

Autor aus Langwaden : Neues vom heiligen Nikolaus

Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti widmet dem heiligen Mann ein Buch. Geschichten und Legenden werden neu erzählt.

Keiner kann trotz der maximalen Bepackung so leise an Stiefel heranschleichen und dabei zudem sein Inkognito bewahren wie er: der heilige Nikolaus. Bekannt ist von dem Kinderhelden wenig, ein in einem Zug hingemaltes Gebäude sei sein Wohnort und am 6. Dezember wird er gefeiert. Manfred Becker-Huberti aus Langwaden hat dem heiligen Mann jetzt ein ganzes Buch gewidmet. Darin sammelt er Legenden, kommt der Biographie des Bischofs auf die Spur und hält damit Brauchtum lebendig.

„Ich habe wieder einmal tief gegraben“, beschreibt der Professor und Doktor der Theologie seine Vorgehensweise, altgriechische Schriften als Quellenstudium zu nutzen. „In der Luft hängend“ rankten sich Mythen um den heiligen Mann, den es historisch verbrieft als griechischen Bischof Nikolaos gab. Wie üblich sammelten sich dann allerlei anekdotische Erzählungen der Volksreligiosität, also der „Nikolaus des Brauchtums“, wie der Autor ausführt. Aus ihm wurde die säkularisierte Figur des gütigen Mannes – „und jetzt ist es an der Zeit, dieses vor allem im 19. Jahrhundert betulich gewordene Bild zu revidieren“, meint der Autor.

Der heilige Nikolaus wurde gerne abgebildet. Auch als Stickbild, das als Klosterarbeit um 1800 gefertigt wurde. Es gehört zur Sammlung des Clemens-Sels-Museums in Neuss. Foto: CSM

„Besagter historischer Mann war ein reicher Erbe, der sein Vermögen nutzte, um anderen zu helfen.“ Seine Intuition dabei war, führt Becker-Huberti aus, „nicht Pläsier zu verschaffen, sondern auf den Weg zu helfen“, beschreibt er die Hintergründe des karitativen Einsatzes. So erzählt der Brauchtumsexperte in seinem Buch „Heiliger Nikolaus“ beispielsweise die „Legende von der Ausstattung der drei verarmten Jungfrauen“: Darin kann ein Vater seine drei Töchter mangels Mitgift nicht verheiraten und beschließt, „sie der Schande preiszugeben, um daraus seinen und ihren Lebensunterhalt zu bestreiten“, heißt es an entsprechender Buchstelle. „Nikolaus will verhindern, dass die Mädchen sich prostituieren müssen. Deshalb beschenkt er sie“, übersetzt der Professor. Der Unterschied zum Märchen ist bei den Heiligenerzählungen, dass „immer und grundsätzlich Gott im Spiel ist“, umschreibt er das „Transparente, durch das göttliches Licht scheinen kann“.

Nikolaus ist nach des Autors Recherchen nicht bloß gütig und liebenswürdig, sondern auch ein Mann mit Humor. Auch dazu sind entsprechende Legenden im Buch aufgezählt. Dass irgendwann ein leicht „großkotziger Klerikaler plus Hilfsbremser namens Knecht Ruprecht“ aus ihm wurde, also „ein Moralapostel“, ist dem religiösen Brauchtum zu verdanken, „das mit erhobenem Zeigefinger unterwegs“ war. Und, kurzer etymologischen Exkurs, im „Ruprecht“ steckt der „kleine Teufel“. So kann der Sack des Geschenkebringers nicht nur erwünschte Gaben enthalten. „Im Sack können, wie einst bei den römischen Gladiatorenkämpfen die Feinde, auch unartige Kinder verschwinden, wie unter anderem eine Zeichnung des Arztes Dr. Heinrich Hoffmann aus dem „Struwelpeter“ zeigt. Auch abgebildet ist der „Kindlifresserbrunnen“, gestaltet in der Mitte des 16. Jahrhunderts, der noch heute im schweizerischen Bern am Kornhausplatz steht.

Aber, so meint Manfred Becker-Huberti lachend, Brauchtum kann sich auch wieder verbessern – und der Langwadener will dem heiligen Nikolaus zu neuer Popularität verhelfen. Darum hat er nicht nur Wissenswertes notiert, sondern bietet einiges zum Anbeißen, zum Singen und natürlich zum Schmökern. „Legenden haben ihre eigene Sinnlichkeit“, dazu beigetragen hätten übrigens maßgeblich Mönche in den Klöstern. „Das ist manchmal witzig, welche Geschichten sie um ikonografische Merkmale gesponnen haben“, vergleicht er sie mit den heutigen Schreibern der bunten Blätter.

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