1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Prior aus Grevenbroich: Über Krisen, die kommen und wieder gehen

Spiritueller Zwischenruf : Über Krisen, die kommen und wieder gehen

Donald Trump sei überstanden. Jetzt gelte es, das Ende der nächsten Krise abzuwarten, meint Bruno Robeck, Prior der Langwadener Zisterzienser, in seiner wöchentlichen Kolumne.

Endlich ist es vorbei und geschafft. Ein großes Aufatmen war förmlich zu spüren. Lange hatten wir warten müssen. Die Hoffnung, dass sich alles zum Guten entwickeln würde, wurde Stück für Stück zunichte. Es kam schlimmer als anfangs befürchtet. Wenn die Folgen nicht so weitreichend hätten sein können, hätte man über das Verhalten zweier erwachsener Männer nur lachen können, die sich darum streiten, wer den größeren Knopf auf seinem Schreibtisch hat. Die Situation war an Komik kaum zu überbieten. Sie war jedoch äußerst gefährlich, da es sich um zwei Präsidenten und ihre Atomwaffenknöpfe handelte.

In den USA selbst eskalierte die schwierige Lage, die Trump durch seine Reden und Tweets verursachte, zusehens. Der traurige Höhepunkt war das Stürmen des Kapitols durch aufgestachelte, fanatische Anhänger des scheidenden Präsidenten. Während dieser Teil von Trumps Anhängerschaft den Bezug zu den demokratischen Werten der USA verloren hatte, gab nun die Vorsitzende des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi ihre Zurückhaltung auf. Sie nannte Trump „geistesgestört, verwirrt und gefährlich“ und forderte seine Amtsenthebung. Nun ist es geschafft. Trump als 45. US-Präsident ist Geschichte. Doch sein Einfluss wird weiter andauern und viele seiner Anhänger werden ihre Meinung kaum ändern.

Wir haben in den letzten vier Jahren in den USA eine Dynamik erlebt, die wir uns nie hätten vorstellen können. Es veränderte sich vieles, was bis dahin selbstverständlich schien. Eine ähnliche Dynamik erleben wir seit einem knappen Jahr mit dem Coronavirus. Die Gefährlichkeit nimmt eher zu als ab, und das ständige Auseinandersetzen mit neuen Schutzverordnungen und Gefahrenszenarien zehrt an den Kräften. Mehr noch als die politische Entwicklung in den USA unter Trump beeinflusst die Coronapandemie die gesamte Welt. Anders jedoch ist der zeitliche Rahmen.

Das US-Präsidentenamt ist zeitlich begrenzt. Durch die Wahl von Joe Bidden wurde ein neuer Anfang gesetzt. Das Ende der Coronapandemie ist leider nicht per Wählervotum herbeiführbar. Hierfür braucht es weiter guter Mediziner, kluge Politiker und nicht zuletzt uns alle als verantwortungsbewusste Erdenbürger.

Der Großteil der Menschen und Staaten haben besonnen auf die Herausforderungen reagiert und sich erfolgreich gewehrt. Das stimmt mich zuversichtlich für die Zukunft. Und wenn es auch stimmen mag, dass man mit der Bergpredigt keine Politik machen kann, so hat sich doch gezeigt, dass die Mitmenschlichkeit überall dort auf der Strecke geblieben ist und Schaden entstanden sind, wo gegen die Grundprinzipien der Bergpredigt gehandelt worden ist. Für mich als Christ sind diese Grundprinzipien ein klarer Kompass, der in unübersichtlichen und schwierigen Situationen hilft, nicht vom rechten Weg abzukommen. So gehe ich weiter und hoffe, dass wir bald mit dem Stoßseufzer „Es ist geschafft“ das Ende der Pandemie verkünden können – wenn ich auch befürchte, dass spätestens dann die nächste große Herausforderung auf uns wartet.