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Grevenbroich: Polnische Stadt bietet Partnerschaft an

Grevenbroich : Polnische Stadt bietet Partnerschaft an

Belchatów und Grevenbroich haben eines gemeinsam: In beiden Kommunen wird Strom aus Braunkohle produziert. Stadtpräsident Marek Chrzanowski regt jetzt eine Zusammenarbeit an. Beide Städte sollen Partner werden.

Die 60 000-Einwohner-Stadt Belchatów hat eine der größten Geburtenraten in Polen. Landesweit belegt sie den zweiten Platz bei der Zahl der Autos pro Einwohner. Und die Volleyballer vom Verein "SKRA" sind so etwas wie ihr Aushängeschild: Fünf Mal holten sie sich die polnische Meisterschaft und brachten es zu Erfolgen in der Champions League. Was die südlich von Lodz gelegene Kommune mit Grevenbroich verbindet: Hüben wie drüben wird Strom aus Braunkohle produziert. Das Kraftwerk Belchatów — weltweit eines der größten seiner Art — bringt es auf eine Gesamtleistung von 5053 Megawatt, es hält den Europarekord im Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid.

Diese "Ähnlichkeit" hat den Stadtpräsidenten Marek Chrzanowski zu einem Brief an Bürgermeisterin Ursula Kwasny veranlasst. Er bietet seiner Kollegin eine offizielle Städtepartnerschaft an. Die Spitzenposition, die beide Kommunen in der Energie- und Brennstoffindustrie einnehmen, würde sich für eine engere Zusammenarbeit anbieten, meint das Stadtoberhaupt von Belchatów. Chrzanowski hat Kwasny eingeladen, sich mit drei Vertretern der Stadt Grevenbroich vor Ort umzusehen — und zwar beim großen Stadtfest, das vom 21. bis 23. Juni gefeiert wird.

Ob Ursula Kwasny hinfahren wird, ist noch offen. "Dazu muss sich zunächst einmal die Politik äußern", sagt Rathaussprecher Andreas Sterken. Der Brief aus Belchatów wird am Donnerstag den Mitgliedern des Hauptausschusses zur Kenntnisnahme vorgelegt, dann soll in den Fraktionen beraten werden. "Ob bei unserer Haushaltslage eine weitere Städtepartnerschaft möglich ist, muss nun abgewartet werden", meint Sterken.

Marek Chrzanowski verspricht sich einiges von einer Städtefreundschaft mit Grevenbroich — etwa einen Erfahrungsaustausch zu den Themen Energiewirtschaft und Umweltschutz, gemeinsame Projekte in Sachen Kultur, Bildung, Sport und Tourismus sowie die Stärkung des gegenseitigen Verständnisses und der Freundschaft.

Schon im November hatte Marek Chrzanowski schriftlich erste Kontakte zur Grevenbroicher Bürgermeisterin aufgenommen. Die städtische Wirtschaftsförderung verschickte daraufhin umfangreiches Informationsmaterial über die Schlossstadt ins Rathaus von Belchatów. Postwendend kam nun die Einladung zum Fest in Polen.

Der Grevenbroicher Partnerschaftsverein, der sich federführend um die Städtefreundschaften kümmert, erfuhr erst am Montag durch die NGZ von dem Wunsch des Belchatówer Stadtpräsidenten. "Ganz uninteressant klingt das nicht", meint Präsident Lothar Zimmermann. Er will nun abwarten, wie sich die Politiker positionieren werden.

Neben Belchatów liegt der Stadt zurzeit eine weitere Anfrage zu einer offiziellen Partnerschaft vor. Auch der bayerische Tourismus-Ort Reit im Winkl — der alljährlich ein Oktoberfest in Grevenbroich veranstalten will — ist an einer engeren Verbindung interessiert.

(NGZ/ac)