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Grevenbroich: Polizei will Raser stoppen

Grevenbroich : Polizei will Raser stoppen

Die Polizei plant häufigere Geschwindigkeitskontrollen. Das Ziel: Die Autofahrer sollen langsamer fahren, Unfälle sollen dadurch ungefährlicher werden, weniger Menschen sollen sterben. Ein Schwerpunkt wird Langwaden.

Ein junger Motorradfahrer, dem nach einem Unfall ein Bein amputiert wird. Ein Kind, das von einem Auto erfasst und schwer verletzt wurde — zwei Menschen, deren Leben von einem Tag auf den anderen zerstört wurde. Zwei Menschen, die an der L 142 in Langwaden Unfallopfer wurden. Auch deshalb ist diese Landstraße ein Punkt, an dem die Kreispolizei ab sofort öfter die Geschwindigkeit kontrolliert. Landrat Hans-Jürgen Petrauschke erläutert gestern beim Ortstermin, welche Hintergründe die neue Verkehrsstrategie von NRW-Innenminister Ralf Jäger auch im Rhein-Kreis Neuss hat: "Es geht nicht um Abzocke, sondern um niedrigere Geschwindigkeit auf den Straßen."

In ganz Deutschland, in NRW und im Rhein-Kreis Neuss sterben immer mehr Menschen bei Unfällen: 2011 waren es hier elf, im Vorjahr neun Menschen. Zugleich erleiden sie schwerere Verletzungen. "Auch wenn die Unfälle unterschiedliche Ursache haben, verbindet sie eine Gemeinsamkeit: Durch eine geringere Geschwindigkeit wären die Folgen oft weniger gefährlich für die Beteiligten gewesen", erläutert Gerhard Kropp (56), Leiter der Direktion Verkehr bei der Kreispolizei. Er hat oft genug erfahren, wie Familien nach Unfällen leiden.

Mit Laserpistole am Straßenrand

So wird die Polizei im Rhein-Kreis Neuss künftig kontrollieren: Nicht nur an Bundes-, Kreis- und Landstraßen wie der L 142 oder der L 316, sondern auch an neuralgischen Punkten wie Krankenhäusern, Kindertagesstätten und Schulen sollen die Lasermessgeräte aufgebaut werden. "Wir werden zwar weiterhin zivile Fahrzeuge einsetzen, aber auch mit ,Polizei' beschriftete Wagen, die die Autofahrer deutlich erkennen können", erläutert Gerhard Kropp. Zudem, ergänzt der Landrat, sollen die Kontrollen zuvor angekündigt werden.

Jürgen Zingelmann (50) ist einer der Polizisten in leuchtend gelber Schutzweste, der die Schnellfahrer mit der Lasermesspistole ins Visier nimmt. Sobald er ein Auto als Ziel erfasst hat, kann er dessen Geschwindigkeit per Knopfdruck messen und ablesen. Ist der Wagen zu schnell, fährt sein Kollege Eberhard Gerards den Arm mit der "Polizei"-Kelle aus, winkt den Fahrer an den Straßenrand und verteilt Bußgelder. "Das ist kein Job für Wetterfühlige", meint denn auch Gerhard Kropp anerkennend.

Die häufigeren Geschwindigkeitsmessungen sollen nur eine Möglichkeit sein, um den Verkehr langsamer rollen zu lassen und die Straßen sicherer zu machen: "Wir werden die Prävention an den Schulen fortsetzen", erklärt Hans-Jürgen Petrauschke. In Crash-Kursen sollen Jugendliche in Realfilmen Unfallfolgen sehen. Wie wirksam diese Aufklärungsarbeit ist, ist noch zu untersuchen.

(NGZ)