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Grevenbroich: Polizei: Umzug aus Platznot?

Grevenbroich : Polizei: Umzug aus Platznot?

Die Polizeiwache an der Lindenstraße hat einige Mängel. Der Rhein-Kreis sieht zwar "die Polizeiarbeit nicht gefährdet", hat aber bereits Umzugsmöglichkeiten geprüft. Dagegen fordert die Kreis-SPD eine Sondersitzung.

Die Mitglieder des Polizeibeirates beim Kreis müssen vielleicht bald eine unvorhergesehene Sitzung im Terminkalender notieren: Die SPD-Kreistagsfraktion beantragte am Dienstag "schnellstmöglich eine Sondersitzung". Das Thema: die Polizeiwache Grevenbroich.

Rainer Thiel, Chef der SPD-Kreistagsfraktion, war nach einem Vorstoß der Grevenbroicher FDP-Ratsfraktion hellhörig geworden. FDP-Fraktionschef Manfred Hermanns hatte — wegen mehrerer Mängel in der heutigen Wache — den Umzug von der Lindenstraße 30 ins alte, leerstehende Finanzamtsgebäude an der Bahnstraße vorgeschlagen.

Die Wache an der Lindenstraße, in der 70 Polizeibeamte arbeiten, kennt Hermanns aus eigener Anschauung gut: Er war Bezirksbeamter und seit der Eröffnung 1982 bis zum Ruhestand 2003 dort tätig. "Schon damals bestanden Probleme mit Wasserrohren, gab es Rohrbrüche", so Hermanns. "Ehemalige Kollegen haben mich jetzt auf Missstände hingewiesen." So fehlten wegen der wachsenden Zahl von Frauen in der Polizei Umkleideräume und Duschen.

Auch in die Heizung und Wärmedämmung muss laut FDP erheblich investiert werden. Beim Eigentümer des Gebäudes, dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, bestätigt Pressesprecherin Christa Bohl: "Die Polizei hat ihre Unzufriedenheit wegen der Unterkunft geäußert. Wir haben bereits als Provisorium zusätzliche Umkleiden und Duschen eingerichtet."

Die FDP steht mit den Umzugsüberlegungen nicht allein da, der Rhein-Kreis Neuss wurde bereits aktiv. "Wir haben die beiden alten Finanzamtsgebäude an der Bahn- und Erckensstraße geprüft, aber sie eignen sich für die Polizei nicht", erklärte Landrat und Chef der Kreispolizeibehörde Hans-Jürgen Petrauschke. Sein allgemeiner Vertreter Jürgen Steinmetz ergänzt: "Wir haben die Wache an der Lindenstraße schon vor längerer Zeit beim Land zur Prüfung angemeldet. Die Entscheidung über Sanierung oder Neubau trifft die Landesregierung."

Er betont: "Der Zustand ist nicht dramatisch. Die Arbeit der Polizei ist nicht gefährdet." Ein baldiger Umzug ist unwahrscheinlich: "Die Mängel, die uns geschildert wurden, sind nach Ansicht unserer Experten im Innenministerium nicht so gravierend, dass sofort gehandelt werden muss", sagt Ministeriumssprecher Wolfgang Beus.

SPD-Kreispolitiker Thiel fordert energisch rasche Aufklärung: "Nach meiner Kenntnis wurde im Polizeibeirat weder über Mängel noch über Umzugspläne gesprochen. Daher sollte schnellstmöglich Klarheit über die Arbeitssituation geschaffen werden."

(NGZ)