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Grevenbroich: Polizei setzt neue Drogentests ein

Grevenbroich : Polizei setzt neue Drogentests ein

Es gibt mittlerweile mehr Autofahrer, die unter Einfluss von illegalen Drogen fahren, als solche, die sich unter Alkoholeinwirkung hinters Lenkrad setzen. Das hat die Polizei mit modernen Drogentests herausgefunden.

Da ist selbst die Polizei erstaunt: "Die Zahl der Autofahrten unter Drogeneinfluss ist unerwartet hoch", bringt es Reinhard Lenzen auf den Punkt. Der Leiter des Verkehrsdienstes hat das anhand von Kontrollen der Polizei herausgefunden: "Wir machen regelmäßig Großkontrollen im Rhein-Kreis. An sechs Tagen haben wir nachmittags rund 350 Fahrzeuge kontrolliert – zwei der Fahrer hatten zu viel Alkohol getrunken."

Im Vergleich dazu liegt die Erfolgsquote bei den Drogenfahrten bei rund acht Prozent. Das heißt: In den 350 kontrollierten Autos saß ungefähr 30 Mal ein Verkehrsteilnehmer hinter dem Lenkrad, der Haschisch geraucht, Amphetamine geschnupft oder Opiate konsumiert hatte. Dass diese Zahlen so deutlich angestiegen sind, heißt nicht zwangsläufig, dass die Zahl der Drogenkonsumenten explodiert sein muss. Die hohen Ermittlungsquoten liegen auch an den immer besseren Drogentests.

So zum Beispiel der Speicheltest. Der Fahrer bekommt ein Wattestäbchen in die Hand, das er lediglich einmal kurz durch den Mund ziehen muss. Die Polizeibeamten stecken dieses Stäbchen dann in ein Analysegerät, und nach sieben bis acht Minuten wissen sie genau, ob und welche Drogen der Aspirant konsumiert hat. Wie das funktioniert, erklärt Lenzen so: "Das Analysegerät erkennt, ob im Speichel illegale Substanzen vorhanden sind. Auf einer Skala wird dann angezeigt, um welche Substanzen es sicht handelt." Die gebräuchlichsten Drogen stehen auf dieser Skala: Cannabis (Haschisch und Marihuana), Amphetamine, Kokain, Opiate wie zum Beispiel Heroin.

Im Prinzip genau so funktioniert der Urintest. "Beide Tests sind gleich gut", sagt Reinhard Lenzen. Der Urintest ist geeignet, wenn der Konsument schon viele Stunden vorher zum Joint gegriffen oder sich die Koks-Line durch die Nase gezogen hat. Der Speicheltest hat Vorteile, wenn erst vor wenigen Minuten konsumiert wurde und die Substanz noch nicht im Urin angekommen ist. Klar ist, dass der Urin-Test etwas umständlicher ist. Denn die Polizei kann und will niemanden nötigen, auf offener Straße eine Probe abzugeben. "Wir machen diese Tests immer in der Nähe einer Polizei- oder Feuerwache, wo schnell eine Toilette aufgesucht werden kann", berichtet Lenzen.

Beide Drogentests sind freiwillig. Zeigt die Skala Drogen an, so muss ein Bluttest gemacht werden, um die genaue Konzentration der Drogen herauszufinden. Wer den Drogen- und Urintest verweigert, hat trotzdem keine Chance: Rund um die Uhr ist ein Staatsanwalt erreichbar, der dann eine Anordnung zum Zwangsbluttest erteilt.

Die Polizei will auf die hohe Zahl der Fahrten unter Drogeneinfluss reagieren: "Wir werden die Zahl der Kontrollen forcieren", kündigt Reinhard Lenzen an.

(NGZ)