Grevenbroich: Politiker protestieren gegen Windrad-Pläne

Grevenbroich: Politiker protestieren gegen Windrad-Pläne

Zu den Flächen, die für weitere Windräder geprüft werden, gehört auch ein Areal bei Wevelinghoven. Das stößt bei Politikern auf Protest.

157 Meter ist der Kölner Dom hoch. Holger Leusch befürchtet, dass bei Wevelinghoven künftig mehrere Bauwerke noch rund 40 Meter höher in den Himmel ragen könnten: Windkraftanlagen. Der Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes hat eine klare Meinung: "Das passt nicht zu Wevelinghoven, das würde das Ortsbild hier massiv beeinträchtigen", so der ehemalige Ratsherr. "Ich denke nicht, dass die Wevelinghovener CDU einem solchen Projekt zustimmen würde." Mit seiner Kritik steht er nicht allein: "Wenn ein solches Windkraftprojekt zwischen Wevelinghoven und Widdeshoven verwirklicht werden soll, wird es einen Aufschrei im Ort geben", sagt der Wevelinghovener FDP-Ratsherr Karl-Heinz Wolf.

Noch stehen Entscheidungen aus, doch der Protest gegen Windkraftpläne nahe der Gartenstadt beginnt sich zu formieren. Hinter verschlossenen Türen hatten sich die Politiker im Planungsausschuss mit dem Gutachten des Essener Büros Ökoplan befasst. Das hatte rund ein Dutzend potenzieller Flächen für Vorranggebiete für Windräder untersucht. Nach NGZ-Information sind drei Gebiete in die engere Auswahl gekommen und sollen nun weiter untersucht werden. Bei den drei Flächen handelt es sich nach NGZ-Information um Gebiete an der Grenze zu Jüchen nahe der A 540 und im "Dreiländereck" zu Korschenbroich und Neuss — an beiden Stellen drehen sich bereits "Windmühlen". Das dritte Areal — bei Wevelinghoven — liegt östlich der Umgehungsstraße und nördlich der Kreisstraße 10.

"Nach meinem Wissen könnten zwischen Wevelinghoven und Widdeshoven, wenn diese Fläche ausgewiesen wird, vier Windräder mit größtmöglicher Höhe errichtet werden", erklärt Wolf. Er und Leusch sorgen sich nicht nur um die heutige "Skyline" der Gartenstadt. "Im Bereich Am Böhnerfeld/Mevissen soll in einigen Jahren ein Neubaugebiet entwickelt werden. Wenn dessen Bewohner aber auf rund 190 Meter hohe Windräder blicken sollen, befürchte ich, dass die Preise dort deutlich sinken", so Leusch. Wolf sieht ebenfalls Nachteile, auch wenn das Vorranggebiet 1000 Meter von der geplanten Bebauung entfernt liegen solle.

Ein solches Windkraft-Projekt "im Windschatten der Vollrather Höhe ist meiner Ansicht zudem aus technischen Gründen Unsinn", erklärt Holger Heusch, der früher Aufsichtsratsvorsitzender des Gas- und Wasserwerks war. "Ich bin für Windkraft, aber die Anlagen sollten nicht nahe der Ortschaften liegen. Grevenbroich leistet schon einen überdurchschnittlichen Anteil zur Stromerzeugung, gefühlt sind 40 Prozent der Fläche mit Kraftwerks-und Tagebauanlagen belegt. "

Die FDP hat sich bereits klar gegen die Ausweisung weiterer Vorrangflächen ausgesprochen. "In der Stadt stehen bereits 21 Windräder, mehr als in den Nachbarkommunen im Kreis — Jüchen, Korschenbroich, Neuss und Rommerskirchen — zusammen", so Ratsherr Wolf.

(NGZ/ac)
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