Grevenbroich: Politik: Neues Schlossbad spart auf Dauer Kosten

Grevenbroich : Politik: Neues Schlossbad spart auf Dauer Kosten

Das Schlossbad wird neu gebaut. Mit dieser Botschaft setzt Bürgermeisterin Ursula Kwasny in der Schlossbad-Debatte ein Ausrufezeichen. "Es gibt keine Alternativen zu dem Neubau", sagt Kwasny.

Dabei kann sie sich auf den Rückhalt fast aller Ratsfraktionen verlassen. CDU und SPD bekundeten gestern erneut ihren Willen, die rund elf Millionen Euro teure Investition durchzubringen. Zu den konkreten Zahlen — etwa den Grad der angepeilten Kostendeckung oder Kreditlaufzeit — schweigen sich Politik und Verwaltung weiter aus. "Der Bürger interessiert sich für das Bad, nicht für Zahlen oder Finanzierungsmodelle", erklärt SPD-Ratsfrau Rosemarie Cremer die bisherige Informationspolitik.

Eine Beteiligung der Öffentlichkeit sei erfolgt, "die Vereine wurden einbezogen", sagt CDU-Fraktionsführer Norbert Gand. Stichproben bei Vereinen, die derzeit das Schlossbad nutzen, ergaben ein anderes Bild. "Es ist eine Unverschämtheit, so etwas zu behaupten. Mit uns hat niemand gesprochen, trotz schriftlicher Anfrage", sagt Harald Meiser, stellvertretender Vorsitzender der Tauchsportgemeinschaft Grevenbroich.

Der Verein benötigt einen Geräteraum, wäre sogar bereit, dafür zu zahlen. "Ob der im Neubau vorgesehen ist — keine Ahnung", sagt Meiser. Einen ähnlichen Wissensstand hat Andreas Burger, Chef der Grevenbroicher DLRG. "Definitiv hat es keine Gespräche gegeben." Eine Erklärung, warum die Informationen ausblieben, lieferte gestern Holger Holzgräber (SPD): "Wir wollen keine Unruhe, bevor der Landrat grünes Licht gibt. Diesbezüglich haben wir Erfahrungen gemacht."

Derzeit prüft der Landrat, ob der Neubau mit dem Nothaushalt der Stadt zu vereinbaren ist. "Wir sind auf der Zielgeraden. Die Signale sind sehr positiv", sagt Kämmerin Monika Stirken-Hohmann. Demnach entspricht die Finanzierung des Bades der Vorgabe der Finanzaufsicht, künftig 25 Prozent weniger Zuschuss zu benötigen. Aktuell steckt die Stadt jährlich rund 1,1 Millionen Euro in den Betrieb des alten Bades. Künftig sollen es also etwa 800 000 Euro sein.

Darin enthalten: die Abtragung des Kredits. "Wir sparen", verspricht Gand. Die Gas- und Wasserwerk Grevenbroich GmbH (GWG) soll als Investor und Betreiber des Bades agieren. Weil das Bad auch künftig ein Minusgeschäft ist, kann die GWG die Verluste des Bades mit den eigenen Gewinnen verrechnen und so Abgaben sparen.

"Steuerlicher Querverbund" ist das Zauberwort, eine wirtschaftliche Verflechtung von Bad und GWG allerdings Voraussetzung. "Dies wird üblicherweise über ein Blockheizkraftwerk im Bad sichergestellt. Die überschüssige Energie würde dem Netz zugeführt", erklärt Jörg Bittscheidt von der Wirtschaftsberatung PwC.

(NGZ/rl)