Grevenbroich: Polit-Prominenz startet BoA

Grevenbroich: Polit-Prominenz startet BoA

Mit der BoA ist die Stadt Grevenbroich zum "Energiezentrum in NRW" geworden. Das sagte gestern RWE-Chef Peter Terium vor 400 Gästen, die den offiziellen Start des 2,6 Milliarden Euro teuren Kraftwerks feierten.

Sechs Jahre lang waren gut 100 000 Arbeiter auf der 57 Hektar großen Kraftwerks-Baustelle beschäftigt, 60 000 Lastwagenladungen Beton wurden produziert, mehr als 50 Kräne prägten die Skyline im Süden der Stadt. Gestern wurde es Zeit für ein Dankeschön.

Die "NGZ-Kinder" im Gespräch mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Foto: Berns, Lothar

Vor 400 Gästen lobte Johannes Lambertz die Zusammenarbeit mit Stadt und Kreis vor und während der Bauphase. "Zum großen Teil ist es Ihnen zu verdanken, dass das Vorhaben in gutem Einvernehmen mit der Region realisiert werden konnte", sagte der Chef der RWE-Kraftwerkssparte mit Blick auf Bürgermeisterin Ursula Kwasny.

Mit einem Augenzwinkern demonstrierten Auszubildende aus der Gustorfer Werkstatt, wie das 2,6 Milliarden Euro teure Kraftwerk funktioniert. Foto: Berns, Lothar

Mit der BoA 2/3 steht in Neurath das modernste Braunkohlekraftwerk der Welt nun offiziell unter Dampf — und das wurde gefeiert. Bevor Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, Bundesumweltminister Peter Altmaier und die vielen anderen Gäste eintrafen, gab es intern eine ökumenische Andacht: Gemeinsam mit Kreisdechant Guido Assmann und den Pastorinnen Monika Ruge und Heike Wolf wurde auf dem Leitstand der fünf Menschen gedacht, die bei Unfällen während der Bauarbeiten ums Leben kamen. "Diese Feierstunde war bewegend", sagte Lambertz: "Beide Kirchen haben uns in den schwierigen Stunden sehr unterstützt."

Die Stadt Grevenbroich ist mit der BoA 2/3 "zum Energiezentrum von NRW" geworden, urteilte RWE-Vorstandsvorsitzender Peter Terium, der in Neurath eine Premiere feierte: "Dieses Kraftwerk ist die erste deutsche Anlage, die ich einweihen darf." Wie wichtig dieses 2,6 Milliarden Euro teure Projekt für den Rhein-Kreis ist, machte Landrat Hans-Jürgen Petrauschke deutlich: "Die BoA stärkt unsere Position als eine der größten stromproduzierenden Regionen Europas."

Der Kreis bekenne sich nach wie vor zur Braunkohle, versicherte Petrauschke. Er machte gegenüber RWE-Chef Terium aber auch deutlich: "Wir erwarten, dass RWE die Arbeitsplätze in der Region hält." Sonst, so die Befürchtung des Landrates, würde der "Konsens zur Akzeptanz" gefährdet. Diese Ansicht teilt CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe — für ihn überwog gestern jedoch die Freude: "Das ist ein super Tag für den Energiestandort Grevenbroich — und für die vielen Menschen, die hier arbeiten, auch in der Aluminiumindustrie", sagte der Neusser.

Die Feierstunde war kurzweilig: Künstlerin Julia Kurkina malte Sandbilder zur Energiewende, es gab Video-Live-Schaltungen ins Kraftwerk, und die Auszubildenden der RWE-Lehrwerkstatt in Gustorf glänzten mit einer Präsentation nach Art der "Sendung mit der Maus": Mit selbst gebauten Modellen, Föhn und Martinsfackel demonstrierten sie den Gästen augenzwinkernd, wie die BoA im Zusammenspiel mit Windrädern und Solaranlagen funktioniert.

Aufregend war der Tag auch für elf Kinder, die im Vorfeld beim Wettbewerb von NGZ und RWE einen "Energietag" gewonnen hatten. Am frühen Morgen bestaunten sie die gigantischen Bagger im Tagebau Garzweiler II, danach durften die Kinder ihre Ehrenplätze bei der Eröffnung des Kraftwerks einnehmen. Der Höhepunkt: Auf der großen Bühne stellte sich Ministerpräsidentin Kraft mit ihnen zu einem Erinnerungsfoto auf.

(NGZ/rl)