Grevenbroich: Poldi und Finchen werden Eltern ...

Grevenbroich: Poldi und Finchen werden Eltern ...

... und alle schauen zu. Am Schneckenhaus, wo die Greifvögel brüten, ist am Nistkasten eine Kauz-Cam installiert.

Reality-TV kennt jeder, eine Kauz-Cam ist aber etwas Besonderes. Stars dieser lokalen Dokumentation sind Finchen (3) und Poldi (4). Die beiden sind Steinkäuze, sie leben in einer Greifvogelvoliere am Schneckenhaus und werden gerade Eltern. Falknerin Tanja Brandt hält nun das Geschehen im Nistkasten per Kauz-Cam fest. "Gerade ist das vierte Ei ins Nest gefallen", sagt sie über den Stand der Dinge. Das Leben der angehenden Familie Kauz wird in kurzen Videosequenzen auf Facebook (Ingo and friends) veröffentlicht.

Etwa 30 Tage lang werden die Eier im Nistkasten ausgebrütet. Foto: Brandt Tanja

Es ist die dritte Brutsaison der beiden gefiederten Wesen. "Und bislang läuft alles gut", sagt die Tierkennerin. Alles begann damit, dass Kauz-Single Poldi sich "zum Schreihals entwickelte. Er rief nach einer Frau." Weil Tanja Brandt weiß, dass nach der Verpaarung wieder Ruhe ist, versuchte sie die passende Käuzin zu finden. "Ich habe das Internet durchforstet und alle Züchter angerufen - nichts", bis Finchen von weit her in der Nähe der tschechischen Grenze kam. "Normalerweise haben die männlichen Eulen gegenüber den weibchen wenig zu melden, die bekommen den Frack voll", beschreibt die Tierfotografin und Autorin das übliche Verhalten vor der Paarung. Nicht so bei Poldi und Finchen. "Poldi entwickelte sich mit seiner Neuen zum Macho", als gelangweilter Beobachter aus seinem Platz in der Voliere habe er "Finchen begutachtet, die alles gegeben hat, um ihn zu beeindrucken".

Die Kinderstube von Familie Kauz Foto: Brandt Tanja
  • Der Hingucker in Grevenbroich : Weihnachtshaus leuchtet seit 20 Jahren

Mit Erfolg, Finchen und Poldi erleben jetzt ihre dritte Brutzeit, 2017 brütete das Kauz-Weibchen fünf "kerngesunde Küken aus". Nach alter Väter Sitte ist in der Kauz-Voliere das unemanzipierte Leben noch intakt: Finchen kümmert sich nicht bloß um die bislang vier Eier. "Da passt das kleine Tierchen kaum drauf." Lässt ihr Mann die Federn fliegen, räumt sie auf, er dafür hat sich zum "großen Beschützer gemausert" - und wenn sie Pause macht und schläft, schleppt er ihr Futter an. Erst, wenn das letzte Ei gelegt ist, beginnt die eigentliche Brutphase, die etwa 30 Tage dauert. Tanja Brandt will alles das in allen Schritten dokumentieren. "Schon jetzt kann man hören, wie sie mit den ungeborenen Küken in den Eiern kommuniziert", erklärt sie ein deutlich aus dem Kern der Eier vernehmbares Piepen.

Foto: Brandt Tanja

Steinkäuze sind stark gefährdet. "Die Küken würden wir gerne auswildern, am liebsten in Grevenbroich", sagt die Tierexpertin. Ein Platz mit altem Baumbestand wäre bereits gefunden, aber bis das behördliche Okay eingeholt werden könnte, dauert es noch. Denn zunächst muss das kleine Finchen ganze Arbeit leisten und für einen hohen Niedlichkeitsfaktor in Form kuscheliger Kauz-Küken sorgen.

(von)
Mehr von RP ONLINE