Grevenbroich: "Plan B" für die Erfthalle

Grevenbroich : "Plan B" für die Erfthalle

Wird die Erfthalle abgerissen, soll es einen Ersatz geben. Nach einem Ratsbeschluss wird die Verwaltung nun ein Konzept erstellen. Darin enthalten: ein neues Sportzentrum, eine Versammlungsstätte und ein Kirmesplatz.

Es war Grünen-Chef Dirk Gawlinski, der Klartext redete: "Lasst uns heute den Abriss der Erfthalle beschließen", beschwor er seine Ratskollegen im Bernardussaal . Doch die nahmen den von der Stadt vorgeschlagenen Abbruch erst einmal von der Tagesordnung. Sie wollen nach der Sommerpause über die Zukunft des Gebäudes entscheiden. Vorher erteilten sie der Verwaltung jedoch einen Auftrag: Sie soll bis Mitte Juli einen "Plan B" entwickeln — für den Fall, dass sich der Rat im September dazu entscheiden sollte, die Halle dem Erdboden gleichzumachen.

Wegen Brandschutzmängeln ist der große Saal seit Monaten geschlossen. Eine Sanierung des Gebäudes würde mehr als 1,6 Millionen Euro kosten. Und das ist viel Geld für die seit Jahren unter Nothaushaltsrecht stehende Stadt — da sind sich alle Fraktionen einig. Das Problem: "Entscheiden wir uns für einen Abriss, wird die Lebensqualität im Grevenbroicher Süden kaputtgehen", erklärte CDU-Fraktionsvize Edgar Uebber. Ähnlich sieht das SPD-Fraktionschef Horst Gerbrand: "Wenn es zu einem Abriss kommen sollte, brauchen wir eine vernünftige Nachfolgelösung — alles andere wäre fatal."

Und so soll dieser "Plan B" aussehen: Bis zur nächsten Ratssitzung erwarten die Politiker ein "ganzheitliches Konzept" aus dem Rathaus. Das soll eine neue Sportanlage berücksichtigen, die zwischen Frimmersdorf und Neurath errichtet werden soll. Eine weitere Vorgabe sind ein Gebäude mit Gastronomie und Versammlungsraum sowie ein Schützenplatz für den Frimmersdorfer Bürgerverein.

Ebenso erwarten die Fraktionen ausführliches Zahlenmaterial von der Verwaltung: Wie viel zahlt die Stadt derzeit für den Unterhalt der Halle, was würde deren Abriss kosten und was kommt finanziell mit "Plan B" überhaupt auf die Kommune zu? Bürgermeisterin Ursula Kwasny versprach, dass dieser Auftrag bis zum 14. Juli erledigt würde. Ausdrücklich beschlossen die Fraktionen, das vom Aktionsbündnis in Auftrag gegebene Gegengutachten zu berücksichtigen. Die Initiative der Frimmersdorfer und Neurather Vereine geht davon aus, dass die Halle mit weniger als den von der Stadt ermittelten Kosten saniert werden könnte: Etwa 500 000 Euro reichten aus. Für Thomas Bovermann (Freie Bürger) war das ein Grund, die Erfthalle für "tabu" zu erklären: "Absolut kein Abriss", forderte er. Sein Kollege Walter Rogel-Obermanns (Die Linke) stimmte ihm zu, zumal der Süden ohnehin an Lebensqualität verloren habe.

Dagegen wandte sich SPD-Stadtverbandsvorsitzender Daniel Rinkert, der aus Neurath stammt. "Der Eindruck, dass wir in Neurath und Frimmersdorf arm sind, stimmt nicht. Für beide Stadtteile ist viel getan worden — und das sehen die Bürger auch so."

(NGZ/rl)