Grevenbroich: Plagiatsvorwurf: Djir-Sarai wartet auf Uni-Ergebnis

Grevenbroich: Plagiatsvorwurf: Djir-Sarai wartet auf Uni-Ergebnis

Die Dissertation des Grevenbroicher FDP-Bundestagsabgeordneten Bijan Djir-Sarai (34) wird weiterhin verstärkt auf der Online-Plattform "Vroniplag Wiki" durchforstet. Die "Doktorjäger" wollen mittlerweile auf 38 von 180 Seiten fündig geworden sein. Alleine auf vier Seiten befänden sich mehr als 75 Prozent "Plagiatstext".

Bijan Djir-Sarai, der sich zurzeit in Teheran (Iran) für Menschenrechte einsetzt, wollte sich am Freitag nicht äußern. Sein Berliner Büro stellte jedoch eine Stellungnahme in Aussicht: "Herr Sarai möchte die Untersuchung der Universität abwarten", erklärte Mitarbeiter Felix Hemmer gegenüber der NGZ.

Djir-Sarai hatte vor drei Jahren an der Albertus-Magnus-Universität zu Köln mit der wirtschaftswissenschaftlichen Arbeit "Ökologische Modernisierung der PVC-Wirtschaft in Deutschland" bei Professor Jürgen Friedrichs promoviert. Nach den Vorwürfen auf "Vroniplag" überprüft die Hochschule nun die Dissertation ihres prominenten Absolventen. "Wann diese Arbeit abgeschlossen wird, ist derzeit noch nicht abzusehen, es gibt keine Timeline", erklärte am Freitag Uni-Sprecher Patrick Honecker auf Nachfrage. Zurzeit laufe die Voruntersuchung des Forschungsdekans, danach werde der Promotionsausschuss einberufen: "Unser Bestreben ist es, das ganze möglichst zeitnah abzuschließen."

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Parallel dazu wird die Dissertation auf "Vroniplag" unter die Lupe genommen. Unter dem Vermerk "Herausragende Fundstellen" sind auf der Internetseite einige der "dicksten Brocken" zu finden, die den Online-Fahndern auffielen. Ein Beispiel: Djir-Sarai habe auf einer Seite seiner Arbeit einen Text wörtlich aus einer Publikation übernommen und ihn einem anonymen Interview-Partner ("Nummer 8") in den Mund gelegt.

Bei den Freidemokraten aus dem Rhein-Kreis wird der Wirbel um ihren Vorsitzenden und Landrats-Stellvertreter aufmerksam verfolgt — doch äußern möchten sich die Liberalen nicht: "Das ist eine persönliche Angelegenheit von Herrn Sarai — und keine politische. Daher wird die Kreis-FDP dazu auch nichts sagen", erklärte Vizevorsitzender Walter Boestfleisch. Auch Landrat Hans-Jürgen Petrauschke hält sich bedeckt: "Mit dem Rhein-Kreis hat das nicht zu tun." Zudem sei Djir-Sarai nicht wegen seines Doktortitels stellvertretender Landrat geworden.

(NGZ)
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