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Grevenbroich: Pfarrer: Kirche braucht mehr Gemeinsinn

Grevenbroich : Pfarrer: Kirche braucht mehr Gemeinsinn

Der leitende Pfarrer Willi Steinfort verlässt im Frühjahr Grevenbroich. Er beklagt: "Hier bewegt sich so gut wie nichts in Richtung Zukunft."

Willi Steinfort blickt auf neue Aufgaben. Ab dem 1. März wird der leitende Pfarrer des Seelsorgebereichs Elsbach/Erft hauptamtlich als Diözesanrichter am Erzbischöflichen Offizialat eingesetzt. Nach etwa vierjähriger Amtszeit verlässt er die Stadt. Diese Nachricht erfuhren die 14 000 Katholiken aus dem Pfarrverband mitten im Advent, kurz vor Weihnachten.

"Das erschien wie eine plötzliche Entscheidung — die war es jedoch nicht", sagt Steinfort: "Der Prozess hat sich über fast zwei Jahre hinweg gezogen." Als er 2008 den Seelsorgebereich übernahm, sei er angetreten, um den Verband von fünf Pfarren für die Zukunft aufzustellen, ihn hin zu einer "Gemeinschaftskultur" zu führen. "Das aber ist schwierig", hat der 52 Jahre alte Geistliche festgestellt, denn die Bereitschaft dazu habe größtenteils gefehlt.

"Zum Seelsorgebereich Elsbach/Erft zählen Pfarren, die über Jahrhunderte hinweg eigenständig waren. Verwunderlich, wie das zum Teil noch die Gegenwart prägt", betont Willi Steinfort. Sein Gleichnis: Statt zusammen am gemeinsamen Haus zu bauen, würden einzelne Gemeinden lieber ihren eigenen Erker pflegen. "Das aber trägt nicht dazu bei, die Kirche zukunftsfähig zu gestalten", meint der Geistliche.

Für ihn sei diese Konfliktsituation zunächst kein Grund gewesen, der Stadt den Rücken zuzukehren: "Ich bin nicht der Typ, der mit Gewalt solche Strukturen aufbricht. Ich möchte überzeugen und Perspektiven entwickeln, gemeinsam mit den Menschen vor Ort", betont Willi Steinfort. Dass er sich nun dennoch für eine neue Aufgabe entschieden hat, begründet der leitende Pfarrer so: "Leider bin ich da nicht weitergekommen. Vieles läuft gut, es bewegt sich aber so gut wie nichts in Richtung Zukunft."

Bei der Visitation des damaligen Weihbischofs Rainer Maria Woelki im Januar 2011 sei das Pastoralteam mit den Problemen in den Pfarren erstmals konfrontiert worden. "Wir haben uns danach die Frage gestellt, wie es weitergehen kann", sagt Steinfort. In einer Teamsupervision, die von einem Berater des Erzbistums Köln begleitet wurde, habe man sich das Ziel gesetzt, die Zusammenarbeit mit den Pfarrgemeinderäten, den Gremien und Vereinen zu stärken.

Im Sommer sei mit der Personalabteilung eine Auswertung der Supervision erfolgt — mit dem Ergebnis: "Das Pastoralteam ist gut aufgestellt und hat sich entwickelt — es ist nur an der falschen Stelle." Danach habe man sich zu einem personellen Wechsel entschlossen. Neben Steinfort wird auch Pfarrer Ulrich Filler eine neue Aufgabe übernehmen, im Sommer 2013.

Worauf Pfarrer Steinfort hofft: "Vielleicht gelingt es in der Zeit der Vakanz, dass die Verantwortlichen in den Gruppen aufhorchen und erkennen, dass es so nicht weitergehen kann." Grevenbroich werde er jedoch nicht im Zorn verlassen: "Es sind viele gute Beziehungen entstanden, das lässt man zurück. Dass ich auch gern hier war, kann ich sagen, ohne rot zu werden."

(NGZ/ac)