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Grevenbroich: Personal krank: Amt stellt seinen Service ein

Grevenbroich : Personal krank: Amt stellt seinen Service ein

Die SPD wirft der Bürgermeisterin Führungsschwäche vor. Sie macht das am Ausländeramt fest. Denn dort gibt's zurzeit keinen Mitarbeiter.

Der Landrat will es, die Bürgermeisterin auch — doch die Mehrheit des Rates hat sich erst im Januar gegen die Abgabe des städtischen Ausländeramtes an den Rhein-Kreis ausgesprochen. Der Fall dürfte damit eigentlich erledigt sein. Er ist es aber nicht. Ursula Kwasny wird das Thema jetzt erneut im Rat aufrufen — aus gegebenem Anlass. Denn im Ausländeramt ist der Notstand ausgebrochen. Die gesamte Belegschaft ist erkrankt, der Service liegt lahm.

"Wir haben alles gemacht, um dieses Amt aufrechtzuerhalten, doch vier dauerhafte Krankheitsfälle haben uns in große Schwierigkeiten gebracht", schildert Kwasny. Da die komplette Besatzung ausfiel, hat sie aus der Not heraus den Landrat um Unterstützung gebeten. Der stellte für drei Monate einen Mitarbeiter des Kreises zur Verfügung — gemeinsam mit einem Bediensteten des städtischen Ordnungsamtes und einem Auszubildenden hält er den Betrieb nun aufrecht. Allerdings nur notdürftig. Termine mit Bürgern können nicht vereinbart werden. "Einen Service gibt es nicht", so Ursula Kwasny.

Die Bürgermeisterin hat ihre Mitarbeiter beauftragt, die Situation in der Ausländerbehörde schriftlich zu schildern. Der Bericht soll am Donnerstag dem Rat vorgelegt werden. "Die Sache hat sich zugespitzt", erklärt die Bürgermeisterin: "Zum einen dürfen wir kein neues Personal einstellen, zum anderen können wir keine Mitarbeiter umschichten, da für das Ausländeramt geschulte Leute benötigt werden."

Das läuft auf eine erneute Diskussion über die Abgabe an den Kreis hinaus — doch darauf will sich die SPD nicht einlassen. Denn die wittert hinter der aktuellen Ausländeramts-Misere ein böses Spiel: "Das klingt nach einem Deal zwischen der Stadtverwaltung und dem Landrat", meint Fraktionsvorsitzender Horst Gerbrand: "Hier soll offensichtlich eine Übertragung erzwungen werden, die von der politischen Mehrheit nicht gewollt ist." Gerbrand wirft der Bürgermeisterin vor diesem Hintergrund vor, ihren "Laden nicht im Griff" zu haben: "Als Chefin muss sie für eine effiziente Verwaltungsstruktur sorgen, sie muss eine Linie vorgeben. Hier kristallisiert sich eine deutliche Führungsschwäche heraus", kritisiert der Fraktionsvorsitzende.

Die CDU befürwortet grundsätzlich eine Übertragung der Ausländerbehörde an den Kreis: "Dessen Aufgaben gehören nicht zum Kernbereich einer kommunalen Verwaltung. Das Amt ist überflüssig, es kostet nur Geld", argumentiert Fraktionschef Norbert Gand. Im Januar hatte sich die Union jedoch der Mehrheit des Rates angeschlossen und das Thema erst einmal zu den Akten gelegt: "Wir wollen dazu keinen Parteienstreit. Es gibt wichtigere Themen."

Nichtsdestotrotz wird Ursula Kwasny im Rat auf eine Diskussion drängen: "Sicher, niemand will etwas abgeben. Aber irgendwann muss man die Traute haben und sagen: Es geht nicht mehr."

(NGZ/ac)