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Grevenbroich: Park-Not am Finanzamt

Grevenbroich : Park-Not am Finanzamt

Seit wenigen Tagen hat das neue Finanzamt geöffnet – schon werden die Parkplätze im Umfeld knapp. Mancher Pendler findet keinen Stellplatz mehr. Die CDU hat ein Handlungskonzept gefordert, die Stadt arbeitet an Lösungen.

Seit Jahren fährt Stephan von Roeder (42) mit dem Zug nach Düsseldorf, sein Auto stellt er auf dem Park-and-Ride-Platz an der Merkatorstraße am Bahnhof ab. Zumindest galt das bis Ende März. "Seit zwei Wochen sind bereits gegen acht Uhr oft alle Stellplätze des Platzes belegt. Auch die Merkator-Straße und die Hans-Sachs-Straße bis zum Ende der Tempo-30-Zone sind zugeparkt", erläutert der Elsener. Den Grund für die Auto-Fülle hat er auch ausgemacht: das neue Finanzamt. "Mich ärgert es, wenn Menschen, die nebenan arbeiten, Pendlern einen Stellplatz wegnehmen – und ich mir woanders einen Platz suchen muss."

Zum Monatsanfang nahm die Landesbehörde mit 270 Mitarbeitern, die ersten kommen um sechs Uhr, an der Merkatorstraße die Arbeit auf. Am Neubau wurden 140 Stellplätze geschaffen, doch offensichtlich parken viele lieber anderswo. "Bereits um 7 Uhr sind auf der nördlichen Fläche des P+R-Platzes rund 15 Stellplätze belegt. Aussteigende Fahrer gehen dann über die Straße zum Eingang des Finanzamts gegenüber", hat von Roeder beobachtet. Da liege die Vermutung nahe, dass es sich um Finanzamtsbedienstete handelt. "Was tut das Finanzamt dagegen?", fragt er.

Sorgen, dass der Parkraum nicht ausreichen wird, gab es schon während der Planung. Mehrere Male hakten Politiker nach. Die CDU befürchtete im März ein Park-Chaos auf der schmalen Straße, forderte ein Handlungskonzept. "Es muss etwas geschehen," so Bauausschussvorsitzender Wolfgang Latzel gestern.

Auch im Finanzamt sind die Beschwerden bekannt. "Ich habe vom Unmut der Anwohner über die wachsende Zahl parkender Autos gehört", so Vorsteherin Gisela Achenbach-Erlenhardt. Sie habe "die Sachgebietsleiter gebeten, die Mitarbeiter darauf hinzuweisen, möglichst unseren Parkplatz zu nutzen. Vorschreiben können wir das aber nicht". Ein Problem: Der Finanzamtsparkplatz steht überhaupt noch nicht komplett zur Verfügung, auf einem Teil lagert Baumaterial. "Die Außenarbeiten laufen noch", so die Vorsteherin, die um Verständnis bittet.

Wie sie geht auch die Stadt davon aus, dass sich nach Abschluss der Arbeiten in wenigen Wochen die Lage bessert. Allerdings hatte Technischer Beigeordneter Werner Hoffmann schon 2010 erwartet, dass durch das Finanzamt "die Parkplatznot in diesem Gebiet weiter steigen" werde. "Wir beobachten die Situation", so Stadtsprecher Andreas Sterken gestern. Die Stadtverwaltung hatte Ende 2010 Pläne vorgestellt, entlang des Finanzamts 15 zusätzliche Autostellplätze anzulegen. "Doch dafür wurde im Etat kein Geld vorgesehen", sagt Sterken. Und für 20 Stellplätze auf der anderen Straßenseite wartet die Stadt auf Fördermittel. Ist also keine rasche Lösung in Sicht? Vielleicht gibt's ein Provisorium: "Wir überlegen, bei Bedarf an der Merkatorstraße eine Fläche als Behelfsplatz herzurichten", so Sterken.

(NGZ)