Orgelneubau in Grevenbroich-Hülchrath durch Spenden möglich gemacht

Pfeifen für St. Sebastianus in Grevenbroich-Hülchrath: St. Sebastianus hat endlich neue Orgel

Das Orgelbauprojekt in Hülchrath ist exemplarisch für bürgerschaftliches Engagement. Der Löwenanteil der 210.000 Euro teuren Orgel wurde vom eigens gegründeten Verein per Spenden eingenommen. Orgelweihe ist Anfang 2019.

„Mehr geht für den Moment nicht“, versuchte Bernhard Hösen sein Glück in Worte zu fassen. Als Mitbegründer des Orgelbauprojekts St. Sebastianus strahlte er über das ganze Gesicht beim Anblick der neuen Orgel. In etwa 20 sorgfältig verpackte Kartons verbracht, kam sie gestern in der Kirche an. „Wie ein Puzzle“ soll das Instrument nun zusammengesetzt werden, „bis zum Gottesdienst soll alles fertig sein“, sagt Peter Lys, ebenfalls Mitglied im Orgelbauverein. Mit „fertig“ allerdings ist nicht spielfertig gemeint, „bis Sonntag um 10 Uhr müssen alle Kirchenbänke wieder frei sein“, beschreibt Peter Lys den Zeitplan und das Unterfangen, die jetzt im Kirchenraum liegenden Einzelteile auf die Empore zu schaffen. Dort wird das Prachtexemplar künftig stehen.

„Ambitioniert und sportlich“ sei dieses Ziel, erklärt Thomas Marxmeier, Orgelbauer von der ausführenden Firma Weimbs, „aber realisierbar“. Die Orgelbühne, so heißt die leere Fläche, ist geputzt und bereit, wie Lys über das etwa 42 Quadratmeter große Areal auf der Empore sagt. Der Hubwagen, mit dem die Einzelteile hoch gehievt werden, ist vorhanden. „Zunächst werden die Bodenbretter verlegt und nivelliert, im nächsten Schritt wird die Windlade, auf der dann die Pfeifen positioniert werden, aufgestellt und dann das Gehäuse drumherum gebaut, beschreibt der Orgelbauer die Etappen. „Das wächst, und jeder kann zugucken, wie die Orgel entsteht.“ Zu viert geht der Spezialist jetzt daran, Spielbrett, Stellagen und Pfeifen wieder so zu arrangieren, wie sie im Probelauf bei der Firma Weimbs in Hellenthal bereits funktionierten, ehe alles wieder zerlegt und reisefertig gemacht wurde. „Freitag soll Richtfest sein“, sagt Peter Lys über die „neue Orgel in der renovierten Kirche – ein Traum wird wahr“. Spielbereit ist die Orgel damit nicht, wie auch Organist Georg Korte weiß. „Das wird Intonateur Jochen Breuer einrichten“, der stimme das Instrument auf den Kirchenraum ab. Höchstens mit Tipps brächte er sich bei diesem Finetuning ein. „Da geht es dann um ein lauter oder leiser einer Pfeife oder ob eine Flöte besser weit oder eng klingt.“ Der Organist ist „natürlich glücklich“ über das neue Instrument, dessen Orgelweihe im Januar 2019 gefeiert werden soll.

„Es war ein wirklich langer Weg“, beschreiben Bernhard Hösen und Peter Lys die vergangenen zwölfJahre. 2005 wurde die Idee geboren, eine neue Orgel für St. Sebastianus anzuschaffen, 2006 fasste der Kirchenvorstand den entsprechenden Beschluss – erst 2017 konnte Orgelbauer Weimbs tatsächlich beauftragt werden. Parallel dazu hatte sich 2011 der Orgelbauverein gegründet, „wir mussten Fans finden, die sich mit der Sache identifizieren“, beschreibt Bernhard Hösen den langen Weg der Geldbeschaffung. Denn 210.000 Euro kostet das Instrument; zum Preis von 6000 Euro konnte die Vorgänger-Orgel veräußert werden, 40.000 Euro gab das Erzbistum Köln – der Rest sind Spenden.

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„Etwa 45.000 Euro fehlen jetzt noch zur Gesamtfinanzierung“, bilanziert Schatzmeister Karl-Josef Wening den Stand der Dinge. Die Technik für ein weiteres Register, Kostenpunkt 16.000 Euro, wäre übrigens vorbereitet.

Derweil haben die engagierten St. Sebastianer weitere Pläne: Sie möchten ihre „gute Stube“, das Sebastianus-Haus, bald barrierefrei umbauen.

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