Grevenbroich: Orgel erhält weitere Register

Grevenbroich : Orgel erhält weitere Register

Rund 50 000 Euro investieren die Stiftung, Gemeinde und Spender der Christuskirche, um die Orgel stimmen und erweitern zu lassen. Intonateur Matthias Ulmmann (54) stellt seine Arbeit vor, die er in Sportkluft erledigt.

Schwarze Sportkleidung, Turnschuhe und keine Angst vor großen Höhen: Wer Martin Ullmann nicht kennt, könnte ihn für einen Sportler halten, allerdings einen mit einem ungewöhnlichen Trainingsort. In der evangelischen Christuskirche ist der 54-Jährige aus Frankfurt/Oder seit mehr als 14 Tagen im Einsatz. Dort richtet er die mehr als 2000 Pfeifen der Kirchenorgel neu aus, legt dazu mehrfach eine Acht-Meter-Höhendistanz zurück. So hoch erstreckt sich das Instrument, dessen höchste Stellen Ulmmann über eine schmale Leiter erreicht.

Kreiskantor Karl-Georg Brumm kann jetzt an der Orgel der Christuiskirche weitere Registern nutzen. Orgelbauer Matthias Ullmann (r.) sorgte mit präzisem Gehör und Turnschuhen für stimmigen Klang. Foto: Michael Reuter

Matthias Ullmann ist nicht nur sportlich, sondern verfügt auch über ein ausgezeichnetes Gehör. Er hat sich als Intonateur auf ein Spezialgebiet des Orgelbaus spezialisiert. Wie in der Grevenbroicher Christuskirche ist er europaweit in Gotteshäusern unterwegs, um Orgeln wieder den richtigen Klang zu geben. Kein billiger Spezialauftrag: "Rund 50 000 Euro" investiert die Kirchengemeinde, erläutert Kreiskantor und Organist Karl-Georg Brumm, um ihre Orgel neu zu stimmen. — "Das reicht aber erstmal für 50 Jahre", ergänzt Ullmann.

Über die Leiter in die Höhe

Im Jahr 1958 wurde der Bau der Christuskirche begonnen, zwei Jahre später war er fertig. Zunächst fehlte eine eigene Orgel. "Einzelne Gründungsmitglieder des Posaunenchores erinnern sich noch daran, dass sie jeden Sonntag im Gottesdienst spielten", erzählt Karl-Georg Brumm. Zudem sorgte ein Harmonium für die musikalische Begleitung. Dies änderte sich erst 1962, als eine Orgel angeschafft werden konnte — darauf verweisen noch Stempel an Kästen und Pfeifen. Vor 15 Jahren wurde das Gehäuse neu aufgebaut, 2003 folgte eine Reinigung.

Jetzt wurde das Instrument nicht nur in die richtige klangliche Ordnung gebracht, sondern auch um neun Register erweitert. Einige Pfeifen mussten in der Werkstatt gereinigt werden, ehe Matthias Ullmann die mehr als 2000 Exemplare wieder richtig platzieren konnte. "Früher war dies ein Zwei-Mann-Job", erinnert sich der Mann aus Frankfurt. Heute erledigt der Intonateur dies einfacher per Knopfdruck: Er lässt die einzelnen Pfeifen automatisch erklingen und passt sie an. "Bei Arbeiten in großen Kirchen war ich früher oft heiser, wenn ich meinem Mitarbeiter etwas zurufen musste", erzählt Ullmann.

Karl-Georg Brumm freut sich schon, auf der erweiterten Orgel spielen zu können. Sie wird zunächst in den Gottesdiensten zu hören sein: "Für Januar planen wir eine größere Veranstaltung."

Der Intonateur verlässt die Christuskirche — endgültig: "Das nächste Mal kommt mein Nachfolger."

(NGZ)