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Grevenbroich: Olympia-Silber liegt im Tresor

Grevenbroich : Olympia-Silber liegt im Tresor

Vor 40 Jahren trat Reinhold Kauder bei den Olympischen Spielen im Kanuslalom an und holte die Silbermedaille im Einer-Canadier. Der frühere Spitzenathlet des Kanuclubs Grevenbroich verfolgt die Spiele in London gespannt.

Die Erinnerungen kommen alle vier Jahre wieder hoch. Gerade noch hat Reinhold Kauder im Garten gearbeitet, gleich wird er den Fernseher einschalten und sich über die Olympischen Spiele auf dem Laufenden halten. Wenn die Hymnen gespielt werden und die Athleten aufs Siegertreppchen treten, schießt dem ehemaligen Spitzensportler des Kanuclubs Grevenbroich immer mal wieder ein Gedanke durch den Kopf: "Da hast du auch mal gestanden." Bei den Olympischen Spielen 1972 in München hat Reinhold Kauder im Kanuslalom die Silbermedaille im Einer-Canadier gewonnen. Die Medaille liegt heute sicher verstaut in einem Tresor. Darüber, wie das damals war, spricht Kauder gerne.

Es erinnert ihn daran, etwas Besonderes geleistet zu haben. "Man fühlt sich dann als Teil der olympischen Familie. Das geht im Alltag häufig unter", sagt Kauder. Ins Kanu steigt er heute allerdings nicht mehr. "Nach einer Hüftoperation muss ich kürzertreten", erklärt er. Der Sport fehlt dem 62-Jährigen. Es hat lange gedauert, bis er den Verzicht auf sein geliebtes Kanu akzeptiert hat. Es war ein Teil seines Lebens. "Wir waren Sportler aus Leidenschaft", sagt Kauder. "An das Materielle haben wir weniger gedacht. Aber es war ja auch eine andere Zeit." Wie sich die Mentalität im Spitzensport gewandelt hat, sieht Kauder täglich im Fernsehen.

In Interviews erstaunt ihn oft das zur Schau gestellte Selbstbewusstsein der Athleten. "Wir waren viel zurückhaltender", sagt Kauder. Dabei habe es auch seiner Generation nicht an Selbstbewusstsein gemangelt. "Aber wir haben uns dann trotzdem hingestellt und zumindest in der Öffentlichkeit auf die Bremse getreten. Da hat man zum Beispiel gesagt, man sei nicht recht in Form." Die "Ich haue sie alle weg"-Mentalität heutiger Spitzenathleten wirkt auf ihn befremdlich. Kauder hatte immer die Einstellung: "Man muss wissen, dass man gut ist. Aber man darf nie denken, dass man gut genug ist." Er selbst hat sich vor den Olympischen Spielen 1972 in Zurückhaltung geübt. "Dabei bin ich als amtierender Weltmeister an den Start gegangen und war natürlich der Top-Favorit." Sein Konkurrent Reinhard Eiben aus der DDR sei bei dem Olympia-Rennen auf dem Augsburger Eiskanal aber einfach besser gewesen.

Die Grundlage für Olympia-Silber wurde damals beim Training auf der Erft gelegt. In Grevenbroich habe es optimale Bedingungen für die Kanusportler gegeben. Dann aber wird Reinhold Kauders Stimme nachdenklich. München 1972 hat sich nicht nur als Sportfest in seine Erinnerung eingebrannt.

Reinhold Kauder wohnte damals mit dem Kanuteam im Olympischen Dorf — dort, wo ein palästinensisches Terrorkommando ins Quartier der israelischen Olympiamannschaft eindrang. Aus den fröhlichen Spielen wurden blutige Spiele. 17 Menschen kamen bei der Geiselnahme ums Leben. Die Spiele wurden nach der Trauerfeier fortgesetzt. "Für uns Sportler war Olympia nach dem Anschlag aber eigentlich beendet", sagt Kauder.

(NGZ)