Ogata an Schulen in Grevenbroich: Dieser Ganztag wird kein Kinderspiel

Schulen in Grevenbroich : Dieser Ganztag wird kein Kinderspiel

Das Bundeskabinett hat den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule beschlossen. Für Grevenbroich bedeutet dies einen Kraftakt. Zunächst sollen die Datenbasis gesichert und Gebäude inspiziert werden.

Den elf Grundschulen der Stadt steht eine Mammutaufgabe ins Haus. Das Bundeskabinett in Berlin hat den Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz ab dem Jahr 2025 beschlossen. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) geht laut Medienberichten davon aus, dass drei von vier Familien von der Ganztagsbetreuung Gebrauch machen werden. Bislang nutzen 46 Prozent der 2444 Grevenbroicher Grundschulkinder die Nachmittagsbetreuung als freiwillige Zusatzleistung. Das sind aktuell 1116 Mädchen und Jungen. Für weitere 717 Schüler müssten Ganztagsplätze geschaffen werden, um den Kabinettsbeschluss umzusetzen und der Ministerinnen-Schätzung nachzukommen. Das würde eine Millioneninvestition bedeuten; zudem müsste Fachpersonal in großem Umfang verpflichtet werden.

CDU-Fraktionschef Wolfgang Kaiser hatte mit einem Prüfauftrag in der jüngsten Ratssitzung auf den Rechtsanspruch und die Folgen für Grevenbroich hingewiesen. Der Christdemokrat forderte die Verwaltung auf, in einem ersten Schritt gemeinsam mit einem Beratungsbüro zunächst eine verlässliche Datenbasis zu schaffen. In einem zweiten Schritt sollen die elf Schulgebäude untersucht werden. Was muss dort an- oder umgebaut werden, um die Ganztagsbetreuung gewährleisten zu können? Erst wenn Daten und Ausstattung klar sind, kann die eigentliche Gretchenfrage geklärt werden: Welche Kosten kommen auf die Stadtkasse zu? Der CDU-Antrag wird im Schulausschuss weiterberaten. Panikmache ist dem Ersten Beigeordneten, Michael Heesch, fremd. Als ausgebildeter Lehrer ist der Mann jedoch vom Fach und hat in stillen Stunden erhebliche Zweifel an der 75-Prozent-Schätzung der Bundesbildungsministerin: „In unseren Kindergärten nutzen 95, 96 Prozent der Eltern das Ganztagsangebot im Jahr vor dem Wechsel zur Grundschule. Warum sollten sie für ihre Erstklässler plötzlich auf eine Ganztagsbetreuung verzichten, wenn sie, anders als heute, einen Rechtsanspruch darauf haben?“

Zudem gehörte es 2003 zu den ersten Aufgaben des damals frisch verpflichteten Beigeordneten Heesch, den Gewährleistungsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung in Grevenbroich in ein nutzbares Angebot zu verwandeln. „Zwischen 2003 und 2009 haben wir die Voraussetzungen für 25 Prozent der hiesigen Grundschüler schaffen können.“ Den jetzigen Zeitplan und die aktuellen Vorgaben bewertet er daher als sportlich. „Verstehen Sie mich nicht falsch, im Grunde finde ich den gebundenen Ganztag richtig“, sagt Heesch. Doch wenn in den nächsten Jahren alle Kommunen auf Planer, Architekten und Bauunternehmen zugreifen, befürchtet Heesch Engpässe.

Nach ihm allein geht es nicht – das weiß auch der Erste Beigeordnete. Deshalb müsse nun mit den bereits mehrfach in Grevenbroich eingesetzten Beratern von Garbe und Lexis der Bedarf ermittelt werden. Tendenziell wird die Gesamtzahl der Grundschüler vermutlich steigen. Wie entwickeln sich Geburtenzahlen und der Saldo aus Zu- und Wegzügen in Grevenbroich? Wie viele neue Wohngebiete werden entstehen? Daraus lässt sich die Schülerzahl vorhersagen. In den Schulen müsse untersucht werden, ob der Platz reicht, wenn der Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung kommt. Da geht es um Mensen und um Aufenthaltsräume. „Wir werden Klassenräume auch am Nachmittag nutzen müssen“, so Heesch. Dann müsse aber die Ausstattung verändert werden – erstes Opfer: die gute alte Schulbank, die zu schwer ist, um ständig herumgeschoben zu werden.

In der Geldfrage müssten sich zunächst der Bund und die Länder darauf einigen, wer was bezahlt und wieviele Mittel zur Verfügung gestellt werden. Ganz am Ende wird die Suche nach Fach- und Hilfskräften zur Betreuung beginnen. Und auch hierbei wird Grevenbroich mit allen anderen Kommunen in harter Konkurrenz stehen.