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Grevenbroich: Obstdiebe auf Stadt-Wiesen

Grevenbroich : Obstdiebe auf Stadt-Wiesen

Die städtischen Obstwiesen in Grevenbroich werden zunehmend geplündert. In diesem Jahr fielen die Ernten größtenteils aus. Offensichtlich wurden Äpfel, Birnen und Pflaumen für den Weiterverkauf gestohlen.

110 Bäume stehen auf der Apfelwiese im Stadtpark. Dort wachsen 50 zum Teil seltene Obstsorten. Das verspricht eine gute Ernte — doch die fiel nicht für jeden reichlich aus. "Bis zu einer Höhe von 2,50 Metern sind die Äste komplett leergepflückt worden", beklagt Rolf Behrens vom Bund für Umwelt und Naturschutz, der die Wiese im Auftrag der Stadt pflegt. Er hat den Eindruck: "Hier waren offensichtlich Diebe am Werk, die das Obst weiterverkaufen wollen."

Rolf Behrens steht mit seiner Meinung nicht alleine da. Die gleichen Erfahrungen hat Stadtförster Frank Wadenpohl in dieser Saison gemacht. Auf der Obstwiese am Welchenberg, die von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald angelegt wurde, blieb in diesem Jahr so gut wie kein Apfel hängen. "150 Bäume sind regelrecht geplündert worden", berichtet er und meint: "Für die Ehrenamtler, die sich während des ganzen Jahres um Wiese und Bäume kümmern, blieben nur winzige Reste übrig."

Kein Einzelfall in dieser Saison, wie Frank Wadenpohl weiß: "Nicht nur Äpfel, sondern auch Birnen, Pflaumen und Zwetschgen wurden auf den städtischen Flächen gestohlen, und zwar im großen Stil. Die Diebe müssen teilweise mit Autos angerückt sein, um das Obst zu verladen. Vermutlich wollen sie es weiterverkaufen — oder zu Schnaps brennen, wer weiß?" Für ihn steht fest: "Wir werden das in der nächsten Saison gut beobachten und jede Straftat zur Anzeige bringen."

Auch Norbert Wolf vom Umwelzentrum "Schneckenhaus" beklagt den immer häufiger werdenden Diebstahl von Naturalien. "Wir haben nichts dagegen, wenn sich die Leute etwas für den Eigenbedarf mit nach Hause nehmen. Aber dass das Zeug gleich schubkarrenweise weggefahren wird, geht doch etwas zu weit", sagt er. Aktuell seien es die Esskastanien und Nussbäume, die leergepflückt würden: "Da scheinen manchmal bis zu fünf Mann gleichzeitig durch das Geäst zu klettern", meint Wolf.

So sind es nicht nur die gestohlenen Naturprodukte, die den städtischen Umweltschutzbeauftragten ärgern, sondern auch die Schäden, die beim "Klau" verursacht werden. "Da werden sogar dicke Äste abgebrochen, damit es sich bequemer pflücken lässt", berichtet Wolf. Die Wunden müssten umgehend versorgt werden: "Sonst nisten sich Pilze ein, die den Bäumen schaden."

Trotz des Ärgers: Wie ein Polizeisprecher gestern auf Anfrage der NGZ erklärte, sei den Kriminalisten im Rhein-Kreis der Diebstahl von Obst gänzlich unbekannt: "Es gibt keine Auffälligkeiten", heißt es aus der Zentrale in Neuss.

Dass die "Obst-Hamster" in dieser Saison verstärkt zugeschlagen haben, ist für Stadtförster Wadenpohl jedoch kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Er plant schon die nächste Streuobstwiese, auf der alte, in Grevenbroich gezüchtete Apfelsorten angesiedelt werden sollen. "Auf die werden wir aber ein besonderes Auge werfen", kündigt er schon jetzt an.

(NGZ/rl)