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Grevenbroich: Obdachlosenheim soll schließen

Grevenbroich : Obdachlosenheim soll schließen

Die Stadt will das Gelände am Noithausener Ortseingang vermarkten. Doch dafür müsste die letzte Obdachlosenunterkunft weichen. Dezernent Claus Ropertz warnt: "Für diesen Fall brauchen wir eine Alternative."

Mit Blick auf ein Haushaltsdefizit von 21 Millionen Euro hat sich der Planungsausschuss zum Verkauf des städtischen Grundstücks am Rittergut ausgesprochen. Der Vorteil des Areals: "Die Flächen sind sehr gut erschlossen", erklärt der Technische Beigeordnete Werner Hoffmann. Um das gesamte Grundstück nutzen zu können, müsste jedoch Grevenbroichs letzte Obdachlosenunterkunft weichen. Sozialdezernent Claus Ropertz warnt vor diesem Hintergrund: Im Fall eines Abbruchs muss die Stadt für Ersatz sorgen — etwa in Frimmersdorf.

Die Unterkunft am Ortseingang wurde 1972 gebaut, sie hat insgesamt 21 Zimmer und Gemeinschaftsduschen im Keller. "Zurzeit leben dort elf Männer, drei Frauen und ein Kleinkind", erklärt Ropertz. Der größte Teil der Bewohner stehe unter Betreuung und sei nicht in der Lage, seine Angelegenheiten selbständig zu regeln. Weitere Räume am Rittergut müssten für Notfälle bereitgehalten werden — etwa für Menschen, die hilflos vom Ordnungsamt aufgegriffen werden, oder für Personen, die von einer Räumungsklage betroffen sind.

"Nach dem Gesetz müssen wir solche Wohnungen anbieten", erläutert Ropertz. Sollte die Unterkunft am Rittergut abgerissen werden, müsse eine Alternative her. Doch die gibt es nicht mehr im Stadtgebiet: "Im Rahmen der Vermögensoptimierung sind in den vergangenen Jahren alle Schlichtwohnungen aufgegeben worden, zuletzt die an der Richard-Wagner-Straße in Orken", so der Dezernent.

Eine Alternative zu Noithausen sieht er an der Hansendstraße in Frimmersdorf: "Dort könnte ein in Schnellbauweise errichtetes Gebäude mit den räumlichen Zuschnitten des Noithausener Objekts zur Arrondierung beitragen." Eine gemeinsame Nutzung der praktisch nebenan liegenden Unterkunft für Asylbewerber sei nicht möglich: "Abgesehen davon, dass der Gesetzgeber das verbietet, wäre auch die Raumsituation für Obdachlose nicht geeignet", betont Claus Ropertz. Wie soll es weitergehen: "Das muss nun die Politik entscheiden", so der Dezernent.

Das sieht Martina Suermann, Vorsitzende des Sozialausschusses genau so: "Wichtig ist, dass die Menschen adäquat untergebracht werden. Ob das am Rittergut in Noithausen oder anderswo in der Stadt geschehen soll — darüber muss jetzt diskutiert werden", betont die SPD-Ratsfrau. Es müsse zunächst einmal geklärt werden, ob das Grundstück in Noithausen überhaupt zu vermarkten sei.

Nach Informationen der NGZ soll der Baubetriebshof an das Rittergut verlagert werden. Dort sollen die Wirtschaftsbetriebe (WGV) ein neues Domizil bekommen.

(NGZ)