NRW-Bank: In Grevenbroich fehlen bezahlbare und altersgerechte Wohnungen

Wohnen in Grevenbroich : NRW-Bank - es fehlen bezahlbare und altersgerechte Wohnungen

Die NRW-Bank beobachtet und analysiert den Wohnungsmarkt. Eine Stunde Vortrag zu den neusten Entwicklungen gab es jetzt im Planungsausschuss.

(dne) Das Griffigste kommt ganz zum Schluss des einstündigen Vortrags: Die Grevenbroicher Politik möge für mehr altersgerechte, barrierefreie Wohnungen sorgen. Zudem müsse das Angebot an dauerhaft bezahlbarem Wohnraum deutlich erweitert werden; das gelte für kleine Single-Wohnungen ebenso wie für familiengerechte, große Wohnungen. Und: Ein- und Zweifamilienhäuser müssten in Zukunft nur noch „in einem maßvollen Umfang“ gebaut werden. Mit diesen Worten verabschiedete sich Ulrich Kraus von den Politikern im Planungsausschuss. Als Vertreter der NRW-Bank hatte er den Wohnungsmarkt-Bericht seines Hauses auf den Rheinkreis Neuss und auf Grevenbroich heruntergebrochen.

Sein Vortrag stützte sich auf den „Wohnungsmarktbericht 2018“. Demzufolge treiben zwei Trends die Entscheider vor sich her: Zum einen wechseln die geburtenstarken Jahrgänge in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Da ihnen ein Angebot an altersgerechten Wohnungen fehlt, bleiben sie häufig in viel zu großen Wohneinheiten. Moderne, kleine und barrierefreie Wohnungen kämen die Senioren nach einem Umzug sehr viel teurer.

Und: Dauerhaft bezahlbarer Wohnraum werde in den kommenden Jahren noch mehr zur Mangelware als bislang schon. Denn Kraus zeigte auf, dass ein Drittel der heutigen Sozialwohnungen in naher Zukunft aus der Preisbindung herausfallen. Da das Baugeld derzeit zwar günstig, das Bauland aber knapp sei, müssten sich als Konsequenz aus dem Vortrag die Entscheider in Politik und Verwaltung sehr genau überlegen, was auf Baugrundstücken in naher Zukunft geschehe.

Weil Grevenbroich im Einzugsgebiet von Düsseldorf und Köln liege, gebe es aus diesen „Schwarmstädten“ einen Zuzug von Menschen, die auf der Suche nach preiswerterem Wohnraum für sich seien – aber in der Nähe ihres Arbeitsplatzes bleiben wollten, analysierte Kraus. Insgesamt gelte für die Stadt dasselbe wie für das gesamte Bundesland: Eigentlich müssten in NRW 80.000 Wohnungen pro Jahr neu gebaut werden, um den Bedarf zu decken - sagte Kraus, tatsächlich seien es landesweit aber nur 40 bis 55.000 Wohneinheiten. Noch eklatanter sei die Lücke bei den Sozialwohnungen in NRW. Deren Zahl halbierte sich zwischen 1999 und 2018 auf zuletzt rund 500.000 verbliebenen Sozialwohnungen. Davon befände sich jedoch ein Drittel kurz vor Ablauf der Sozialbindung. Daher sei bereits absehbar, dass es 2030 in NRW nur noch weniger als 300.000 Sozialwohnungen geben werde. Parallel sorgten der Zuzug von rund 50.000 Menschen pro Jahr und sinkende Pro-Kopf-Einkommen für einen eigentlich steigenden Bedarf.

Die Grevenbroicher Politiker wollen die Erkenntnisse zunächst in den Fraktionen diskutieren und ihre Schlüsse danach in die politischen Beschlüsse einbeziehen.

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