Norbert Wolf ist Grevenbroichs wichtigster Umweltexperte

Grevenbroichs Umweltexperte : Norbert Wolf hat Naturschönheiten im Visier

Norbert Wolf arbeitet als Umweltbeauftragter der Stadt – und privat Tierfotograf. Für die NGZ öffnet er sein digitales Fotoalbum.

Sein Leben lang sind wild lebende Tiere eine Herzensangelegenheit für Norbert Wolf. Den Artenschutz betrachtet der Umweltbeauftragte der Stadt Grevenbroich als eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. „Der Artenschutz steht natürlich in unmittelbarer Beziehung zum Schutz der Lebensräume.“ Er will vor allem junge Menschen sensibilisieren und motivieren und verwendet dazu unter anderem die Fotografie.

Mit der fehlfarbigen Amsel beginnt das Fotoalbum. Foto: Norbert Wolf

„Gerade sie ist ein wesentliches Instrument, Ästhetik zu vermitteln, Beziehungen zu schaffen und gleichzeitig zu informieren und zu dokumentieren“, sagt Norbert Wolf. Seine Fotos haben eine noch stärkere Aussage: „Ich möchte damit jeden animieren und eindringlich auffordern, am Schutz der Natur mitzuwirken. Der Weg vom Kennen zum Schätzen und vom Schätzen zum Schützen ist nicht beschwerlich, sondern „kann in kleinen, angeleiteten Schritten voller Erlebnisse, spannend und lohnenswert, gegangen werden“ Besonders am Herzen liegt ihm die heimische Vogelwelt, weil sie die meiste Hilfe benötigt. „Sie ist derzeit schlecht aufgestellt und leidet unter durch die Landwirtschaft verursachten Problemen: keine Brachflächen, der Einsatz von Pestiziden und Dünger.“

Norbert Wolf arbeitet als Umweltbeauftragte der Stadt. Foto: Valeska von Dolega

Für die NGZ öffnet er sein digitales Fotoalbum mit tausenden Fotos. Durch die automatische Sortierung nach dem Alphabet taucht als erstes eine fehlfarbene Amsel auf. „Das Männchen wäre normalerweise braun, ist hier aber schwarz“, erklärt der Fachmann. Es folgen eine rein-weiße Albino-Amsel sowie ein Baumfalke mit fetter Beute, nämlich einer im Flug gefangenen Bachstelze. „Dank der Fotografie kann ich Situationen einfrieren und an die Vögel zum Beispiel so nah herankommen, dass ich die Arten genau bestimmen kann.“ So etwa auch den Bienenfresser – „eine Rarität bei uns“ –, der seit einigen Jahren im Umfeld der Tagebaurekultivierung brütet. Gestochen scharf ist das gelb-grüne Gefieder zu erkennen, ebenso wie ein Blaukehlchen, dem „Rotkehlchen der Feuchträume“, wie Norbert Wolf erklärt, und Blauracken, die in den 1980er-Jahren als Brutvogel in Deutschland ausgestorben sind, aber in der Esta Madura in Spanien noch zu finden sind.

Besonders eindrucksvoll sind auch die Fotos, die eine Paarungssituation von Feldhasen zeigen. Dabei konnte er festhalten, wie die Männchen um ein empfängnisbereites Weibchen kämpfen. Dabei jagen sie sich und boxen mit den Vorderpfoten aufeinander ein. Der eigentliche Akt dauert schließlich zehn bis 15 Sekunden – ein kurzes Zeitfenster für einen Fotografen. „Da muss man ein Riesenglück haben“, betont Wolf, der zuletzt auf der Facebook-Seite des Schneckenhauses mit einem Foto eines Junghasens darauf aufmerksam machte, diese Süßlinge nicht anzufassen. „Wir wollen damit verhindern, dass diese Kindesentführungen weiterhin stattfinden“, sagt er halb im Scherz.

Einen Schlangenadler konnte der Umweltbeauftragte 2009 und 2016 in der Tagebaurekultivierung fotografisch nachweisen. Und auch einen Fuchs hatte er vor der Linse, allerdings nicht in seinem typoschen Lebensraum, sondern in der Innenstadt: „Er hatte sich verlaufen und sich hinter Mülltonnen unglücklich eingeklemmt. Wir haben ihn dann eingefangen und am Ortsrand in Richtung Wald wieder freigelassen.“

Wann immer Norbert Wolf unterwegs ist, die Kamera ist seine ständige Begleiterin. Also konnte er schon zahlreiche Fotos von Rehen machen, die mit ihren langen Wimpern fast in seine Richtung zu klimpern scheinen. Eulen, die für das bloße, unachtsame Auge aufgrund ihrer Tarnung fast unsichtbar sind, hat er entdeckt und als imposante Motive für die Ewigkeit festgehalten. Unzählige Arten von Greifvögeln ebenso, diese Fotos werden auch für Fachvorträge genutzt, um die Merkmale der Arten zu zeigen. Wichtig ist dem Tierfreund auch beim Fotografieren vor allem eines: „Die Situation sollte nach dem Verlassen der Örtlichkeit genauso sein wie vorher, also ohne Störeffekte wie abgeknickte Äste. Ich verzichte lieber auf ein Bild, als dass ich Unruhe stifte oder etwa eine Brut vereitele.“ Neben dem Blick für Naturschönheiten ist „Geduld eine ganz wichtige Eigenschaft für Tierfotografen. Du muss wirklich Sitzfleisch haben.“ Mehr über Flora und Fauna auf der zusammen mit Tierfotografin Tanja Brandt gestalteten Homepage www.natuerlichtiere.de.

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