Grevenbroich: Noch keinen Plan für Frimmersdorf

Grevenbroich: Noch keinen Plan für Frimmersdorf

Was wird nach 2021 aus dem Kraftwerks-Areal? RWE will dort Arbeitsplätze schaffen und arbeitet an einem Konzept.

Anfang Oktober sind "Paula" und "Quelle", die letzten beiden Blöcke des Braunkohlekraftwerks Frimmersdorf, in Vorruhestand gegangen. In den kommenden vier Jahren werden die beiden 300-Megawatt-Anlagen nur noch in Notfällen hochgefahren. 2021 wird Frimmersdorf dann komplett vom Netz genommen. Konkrete Planungen für eine künftige Nutzung des Geländes gebe es aber zurzeit nicht, sagte Kraftwerks-chef Tilman Bechthold jetzt vor den Mitgliedern des Stadtrates. Nicht alle Politiker konnte diese Aussage befriedigen.

Frühestens in vier Jahren könne mit den ersten Abbrucharbeiten begonnen werden, sagte Bechthold. Er geht davon aus, dass eine neue Nutzung des Geländes "nicht vor Mitte der 2020er Jahre" realisiert werde. RWE Power sei daran interessiert, das Kraftwerks-Areal weiterhin als Gewerbe- und Industriegebiet zu erhalten. "Das ist eine wertvolle Fläche", betonte Tilman Bechthold. Doch wie diese genutzt werden soll, sei derzeit offen.

"Wir sind an dieser Stelle noch nicht weiter", gab der Kraftwerks-chef gegenüber den Ratsmitgliedern zu. Es gebe zwar Vorstellungen für eine neue Nutzung des Areals, doch diese seien noch nicht so weit gediehen, dass schon jetzt eine konkrete Aussage getroffen werden könne. "Ich vermute, dass wir noch ein Jahr brauchen werden, um über unsere Ideen in großer Runde sprechen zu können", betonte Bechthold vor dem Rat. Ein spezielles Projekt gebe es für Frimmersdorf noch nicht.

"Und was ist mit Smart City?", fragte Ratsmitglied Daniel Rinkert (SPD). Er spielte damit auf die von ihm und Bürgermeister Klaus Krützen entwickelte Idee an, das Kraftwerksgelände künftig als Gründerzentrum zu nutzen, in dem gelebt, gearbeitet, gelernt und geforscht werden soll. Laut Rinkert gehöre diese Vision zu den Top-5-Themen der Innovationsregion Rheinisches Revier, um den Strukturwandel in der Region zu stemmen. Doch Tilman Bechthold zeigte sich erstaunt. "Was hat diese City mit Frimmersdorf zu tun? Wir haben Interesse daran, dort qualifizierte Arbeitsplätze anzusiedeln", sagte er.

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Daniel Rinkert sei entsetzt über die Aussagen des Kraftwerksleiters, sagte er nach der Sitzung gegenüber unserer Redaktion. "RWE hat noch gar keine Idee für die künftige Nutzung des Geländes. Ich habe die Sorge, dass wir den Strukturwandel nicht packen werden", sagte er. Sein Eindruck: "Der Konzern steht als wichtiger Partner nicht ganz an der Seite der Stadt."

Auch Martina Suermann (Mein Grevenbroich) forderte RWE dazu auf, die Entscheider auf kommunaler Ebene zu beteiligen. "Sowohl Bürger als auch Stadt brauchen Planungssicherheit", sagte Suermann. "Daher ist es wichtig, dass wir früh an Prozessen beteiligt werden - und nicht erst dann, wenn Entscheidungen getroffen wurden." Peter Gehrmann (Grüne) hatte hingegen den Eindruck, dass der Stromkonzern mit dem Abriss des Kraftwerks so lange abwarte, bis es Fördermittel für ein solches Projekt gebe. Laut Bechthold ist das nicht der Fall.

Bürgermeister Klaus Krützen bewertete das Frimmersdorfer Kraftwerks-Areal als hochinteressant. "Wir können aber noch so viele Ideen für die Zukunft dieses Geländes haben - wenn der Besitzer andere Vorstellungen hat, sind wir ausgebremst." Er habe allerdings nicht den Eindruck, dass RWE Power auf Zeit spiele, und es könne nicht erwartet werden, dass die Fläche bereits in vier Jahren bebaut werde. Krützen hat Verständnis dafür, dass der Konzern seine Projektideen noch nicht "auf dem öffentlichen Marktplatz" diskutiere. Das sollte erst dann geschehen, wenn "etwas Konkretes vorliegt".

(NGZ)