Grevenbroich: New Yorker feiern die Holy Night am Erft-River

Grevenbroich: New Yorker feiern die Holy Night am Erft-River

Die Elephants-Basketballer Gerrell Martin sowie die Zwillingsbrüder Marcus und Malcolm Delpeche verbringen Festtage in Grevenbroich.

Weihnachten, so ist es Usus, feiern die von deutschen Clubs wegen ihrer herausragenden Qualitäten mit großer Vorliebe verpflichteten Basketballer aus Übersee daheim in den USA. Das ist normal. Doch die NEW- Elephants sind auch in diese Beziehung anders, völlig anders sogar. Und deshalb bleibt ihr US-Trio auch an den Festtagen in Grevenbroich. Gerrell Martin sowie die Zwillings-Brüder Marcus und Malcolm Delpeche verbringt selbst den Jahreswechsel an der Erft. "Teamspirit pur!", nennt das ihr Trainer Hartmut Oehmen.

Die drei Profis entsprechen damit nicht dem gängigen Klischee, das Sportler aus den Vereinigten Staaten in ihrer üppigen Freizeit ausschließlich an der Spielkonsole sieht. "Die Jungs haben überhaupt keine Xbox", vermutet Oehmen sogar. Während ihre Vorgänger die zu Beginn noch äußerst schmucken Appartements im Kreiskrankenhaus Grevenbroich St. Elisabeth gerne fachmännisch und mit erstaunlicher Schnelligkeit in gruselige Junggesellen-Höhlen verwandelten, gibt es für die aktuelle Wohngemeinschaft aus der Bronx (New York City) und Wilmington (Delaware) nur Bestnoten.

"Das sind wirklich nette, gut erzogene junge Männer aus Amerika", lobt der Coach seine "Imports". - "Sie sind für uns wie ein Sechser im Lotto." Dass sie mehr drauf haben als Bälle kunstvoll in den Korb zu werfen oder mit beeindruckender Athletik zu stopfen, zeigt sich im persönlichen Gespräch. "Das sind weltoffene Menschen, keine ballwerfenden US-Maschinen", versichert Oehmen.

Wer sich die Zeit nimmt, entdeckt in Gerrell Martin sogar den Philosophen. Seine Jugend in der lange so problembelasteten Bronx - für viele Europäer immer noch gleichbedeutend mit Drogen, Bandenkriegen und Gewalt - fasst er in einem Satz zusammen: "Ich kam aus dem Dreck - alles, was ich tun musste, war wachsen!" Er geht mit großem Stolz kerzengerade durchs Leben, im Kopf das Motto seiner Kindheit: "Selbst wenn du Hunger hast, beweg' dich niemals, als würdest du sterben." Auf seiner Facebook-Seite findet sich eine Liebeserklärung an seine an Alzheimer erkrankte Großmutter, der er die Saison bei den Elephants gewidmet hat.

Die Familie steht auch bei den Delpeches hoch im Kurs. Gerade erst war ihr aus Trinidad und Tobago stammender Vater Chris zu Besuch in der Schlossstadt, hat seinen einwöchigen Aufenthalt auf mehr als 1000 Bildern fast akribisch dokumentiert. Wie ihr Teamkollege sind sie auch politisch interessiert - und im Gegensatz zu vielen ihrer Landsleute begegnen sie Europa mit Neugierde. Gemeinsam mit dem längst zu einem Freund gewordenen Gerrell Martin waren sie schon in Brüssel und Paris, in Düsseldorf und Köln sowieso.

Oehmen: "Das sind keine Jungs, die darauf warten, dass sie jemand bespaßt. Bei denen musst du eher Sorge haben, dass sie ihr strammes Programm durchbekommen." Sie haben eine Meinung und auch den Mut, sie öffentlich zu vertreten. So gratuliert Malcolm Delpeche auf seiner Facebook-Seite Massachusetts zur Entscheidung, seinen Bürgern als erster Bundesstaat der USA die kostenlose Geburtenkontrolle zu garantieren. Marcus Delpeche beschäftigt sich derweil kritisch mit dem für Deutsche kaum nachvollziehbaren Waffenrecht in den Staaten.

Nur aus ihren Plänen für Weihnachten und Silvester machen sie ein Geheimnis." "We have different options." - Wir haben unterschiedliche Möglichkeiten - mehr ist ihnen nicht zu entlocken.

(NGZ)