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Grevenbroich: Neurather haben viele Fragen zum Asylheim

Grevenbroich : Neurather haben viele Fragen zum Asylheim

Die Stadt informierte über die neue Asylunterkunft im Ort. Bürger kritisierten die späte Information und fehlende Ansprechpartner.

Rund 80 Anwohner wollten im Haus Neurath von Bürgermeisterin Ursula Kwasny, Sozialdezernent Claus Ropertz, Fachbereichsleiterin Heike Steinhäuser und Fachdienstleiter Hartmut Deußen Antworten auf ihre drängendsten Fragen zur umgebauten Unterkunft in der früheren Viktoria-Schule. Eine Frage, die immer wieder gestellt wurde: "Warum wurden wir nicht schon vor drei Monaten informiert, als die Schule umgebaut wurde?" Antwort Claus Ropertz: "Dazu hatten wir keine Zeit. Die Unterbringung der Menschen hatte Vorrang vor allem anderen."

 Rund 80 Neurather waren zum Info-Abend über Asyl gekommen. Die Verwaltung beantwortete Fragen zur neuen Unterkunft.
Rund 80 Neurather waren zum Info-Abend über Asyl gekommen. Die Verwaltung beantwortete Fragen zur neuen Unterkunft. Foto: L. berns

Eine Antwort, die die Anwohner kaum zufriedenstellen konnte. Ebenso wie die Unkenntnis der Stadtverwaltung, wer jetzt in der Unterkunft lebt - eine Frage, die keinen hätte überraschen dürfen. Die Antwort wusste Ehrenamtlerin Monika Hahn. "Dort leben acht Familien mit 23 Kindern, darunter 15 Kleinkinder." Sie sortiert mit anderen Frauen aus der katholischen Kirchengemeinde Kleidung und Gebrauchsgegenstände, die für die Flüchtlinge abgegeben wurden. "Die Menschen sind sehr dankbar für alles, was wir ihnen bringen", schildert sie. "Angst muss niemand haben."

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Mit der Unterkunft an der Martin-Luther-Straße wurden negative Erfahrungen geschildert: "Viele Senioren oder Frauen trauen sich dort nicht mehr vorbei." Wer sich bedroht fühlt oder Beleidigungen ausgesetzt sieht, solle die Polizei rufen, riet Claus Ropertz. Anwohner Pierre Fuhlert kritisierte Müllberge an der Hansendstraße. "Wir kennen das Problem, lassen öfter die Container leeren", sagte der Sozialdezernent. Dies sei die einzige Lösung.

Zuvor hatte die Verwaltung um Verständnis geworben: "Wir sind rechtlich und moralisch dazu verpflichtet, Asylbewerber aufzunehmen." Das Land weise diese zu. "Die stehen vorm Rathaus und müssen versorgt werden", so Ropertz.

Das Problem in Grevenbroich wie in vielen Kommunen: Unterkünfte fehlen. "Wir haben Alternativen gesucht, wollten etwa das ehemalige britische Hauptquartier in Mönchengladbach nutzen", schildert Ursula Kwasny. Doch diese Anfrage sei abgelehnt worden. Auch Umbauten im Alten Finanzamt seien zu aufwendig. Zurzeit suche man Mietwohnungen oder nutze temporäre Objekte wie ein Wohnhaus an der Von-Werth-Straße 2, das für den Umbau der katholischen Hauptschule abgerissen wird. "Langfristig müssen wir eine neue Unterkunft bauen", so Ropertz. Dafür werde ein Standort gesucht: "Im gesamten Stadtgebiet, nicht nur in Neurath."

Hilfe stellte die Verwaltung in Aussicht durch eine neue Koordinatorenstelle. Diese soll Anfang April besetzt werden. Die Politiker im Hauptausschuss sollen darüber in der kommenden Woche entscheiden. "Das dauert zu lang", so die Kritik. Claus Ropertz: "Mehr können wir nicht leisten."

Kathi Jansen hätte sich zwar auch eine frühere Info über die neue Unterkunft in der früheren Grundschule gewünscht. Doch jetzt will sie selbst aktiv werden, denn: "Diese Menschen brauchen unsere Hilfe."

(NGZ)