Grevenbroich: Neue Bürgerinitiative für L361 n

Grevenbroich : Neue Bürgerinitiative für L361 n

In Kapellen wurde die Initiative "pro Ortsumfahrung Kapellen-Wevelinghoven" gegründet. Die geplante Straße entlaste die Orte vom Verkehr, ohne die Erftaue zu beeinträchtigen. Ganz anderer Meinung ist "Rettet die Erftaue".

In einigen Fenstern an der Talstraße und Neusser Straße hängt bereits das Logo "pro Ortsumfahrung Kapellen-Wevelinghoven". 36 Mitglieder hat der jetzt in der Gaststätte "Zur Post" gegründete Verein mit Hans Strunk (58) als Vorsitzendem, auch einige Wevelinghovener sind dabei. Damit wurde nach "Rettet die Erftaue" die zweite Initiative zur L 361n gegründet. Sie befürwortet die beim Land geplante Trasse, die von "Erftauen-Rettern" vehement abgelehnt wird.

Um mehr Lebensqualität für Anlieger der Durchfahrtsstraßen geht es Hans Strunk und seinen Mitstreitern. Der Architekt lebt seit 18 Jahren an der Talstraße. "Die Belastung durch Pkw, Lastwagen und Busse nimmt zu, morgens und nachmittags staut sich der Verkehr." Das Neubaugebiet sei dafür kein Hauptgrund, so Strunk.

"Bereits um 5 Uhr rattern die ersten Lastwagen vorbei. Manche Anwohner können kaum schlafen. Auch die Neusser Straße und Friedrichstraße sind betroffen", sagt Strunk. "Wir wollen eine Verkehrsberuhigung, und dafür brauchen wir die Umfahrung."

Dafür will sich der Verein gegenüber Stadt, Land und Behörden stark machen. Während "Rettet die Erfttaue" die Westtangente entlang der A 46 favorisiert, setzt sich die neue Initiative für die Lösung ein, wie sie bei Straßen NRW geplant wird. "Ein ,Erftauen-Retter' sagte mir: ,Ich unterstütze Euch doch nicht dabei, die Natur kaputt zu machen'. Doch durch diese Trasse wird die Erftaue nicht beeinträchtigt, sie würde die Erft dort nur an der Schwarzen Brücke tangieren", betont Ernst Bizer vom Vorstand.

Die geplante Trasse soll von der bisherigen L 361 an Tüschenbroich vorbei bis zur Höhe der Tankstelle an der Talstraße führen, vor Wevelinghoven Richtung Langwaden abbiegen und in die Wevelinghovener Umgehungsstraße münden. In vergangenen Monaten sah es für diese Umfahrung aber nicht gut aus: Ende 2010 hatte NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft mitgeteilt, dass dem Erhalt des bestehenden Straßennetzes Priorität eingeräumt werde.

Und dann wurde in der Erft-aue auch noch der seltene Kammmolch nachgewiesen. "Beim Landesbetrieb Straßenbau läuft die Planung weiter, sie wurde nicht gestoppt", betont Bizer (66). Der Stadtrat setzte ein Zeichen, fordert in einer Resolution die Landesregierung auf, die Straße zu bauen.

Und wie sieht "Rettet die Erftaue" den neuen Verein? "Unsere Initiative hat 800 Mitglieder. Die Mehrzahl der betroffenen Bürger ist gegen die geplante Umgehung, will das Naherholungsgebiet nicht zerstört sehen", erklärt Vorsitzender Gerhard Hoff. "Wir sind guter Dinge, dass angesichts der Finanzlage und so lange Rot-Grün im Land regiert, diese Trasse nicht kommt."

(NGZ)
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