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Grevenbroich: Neue Bodenproben in Kapellen

Grevenbroich : Neue Bodenproben in Kapellen

Nach dem Umwelt-Skandal hat der Projektentwickler DSK gestern erneut Bodenproben im Neubaugebiet Kapellen nehmen lassen. Anwohner fürchten neben gesundheitlichen Spätfolgen eine Wertminderung ihrer Grundstücke.

Der Projektentwickler "Deutsche Stadt und Entwicklungsgesellschaft" (DSK) hat gestern erneut Bodenproben im Neubaugebiet Kapellen entnehmen lassen. Anwohner hatten zuvor die Richtigkeit der bislang nach dem Umwelt-Skandal entnommenen Proben angezweifelt.

Mit dem nun entnommenen Material soll überprüft werden, ob die Bedenken begründet sind. Ziel sei es, "diese Zweifel aus der Welt zu schaffen". Die DSK hat Ulrich Lieser, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Gefährdung und Schäden in Böden und Grundwasser, vom Aachener Unternehmen "ahu" mit der erneuten Probenentnahme beauftragt. Die Analyse soll durch das Labor Geotaix erfolgen. Die Ergebnisse und der Bericht sollen in drei Wochen vorliegen.

Die Bewohner des Neubaugebiets, in dem sich viele junge Familien mit Kindern niedergelassen haben, sorgen sich weiter um ihre Gesundheit. Eine Baufirma hatte dort zum Straßenbau mit Schwermetallen belastetes Material verwendet. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln. Bei einer Bürgerversammlung hatte Giftstoff-Experte Ulrich Ewers zwar betont, es sei nicht mit gesundheitlichen Spätfolgen zu rechnen. Das jedoch überzeugte die Anwohner nicht.

Ihre Sorge: Die von der Unteren Bodenschutzbehörde des Rhein-Kreises am 10. Mai entnommenen Bodenproben seien nicht tief genug aus dem Erdreich entnommen worden. Dabei waren 16 Rasenflächen, sechs Ziergärten, drei Nutzgärten sowie sieben Lagerflächen und Straßenränder im vom Umwelt-Skandal betroffenen Gebiet untersucht worden. Kreisumweltdezernent Karsten Mankowsky: "In keinem einzigen Garten wurden Bodenbelastungen festgestellt."

Neben der Sorge um die Gesundheit fürchten viele Anwohner auch eine Wertminderung ihrer Grundstücke. Anneliese vom Scheidt, Vorsitzende des Haus- und Grundbesitzervereins Grevenbroich, kann das nachvollziehen. Dennoch ist sie überzeugt: "Ich gehe nicht davon aus, dass der Skandal langfristig eine Wertminderung bedeutet." Sie verweist insbesondere auf die bald beginnenden Sanierungsmaßnahmen.

Laut Stadt sei die Baufirma der Aufforderung zum Rückbau zwar bislang nicht nachgekommen. Deshalb werde man nun aber selbst aktiv. Technischer Beigeordneter Werner Hoffmann betont: "Wir können und wollen im Sinne der Anwohner mit dem Rückbau nicht länger warten bis sich das Unternehmen endlich einsichtig und kooperativ zeigt."

Geplanter Start für die Sanierungsmaßnahmen der betroffenen Straßenzüge ist im Oktober.

(NGZ/rl)