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Grevenbroich: Narren stürmen die Stadtburg

Grevenbroich : Narren stürmen die Stadtburg

Die Übermacht war einfach zu groß: Nach kurzer, aber heftiger Belagerung wurde Burgfrau Ursula Kwasny von jecken Mädchen aus ihrer Rathaus-Festung herausgetragen und musste den Stadtschlüssel herausrücken.

Draußen schunkelten die Narren, drinnen im Rathaus wurden immer noch politische Pläne geschmiedet. Ein Karnevalsausschuss für Grevenbroich muss her, da waren sich Burgfrau Ursula Kwasny, CDU-Indianerin Heike Troles und andere einig. Elf Vorsitzende solle das Gremium haben, und auch das Sitzungsgeld steht bereits fest: natürlich 11,11 Euro.

Doch was da bei Kölsch und guter Laune ausgeheckt wurde, muss bis Aschermittwoch warten. Ursula Kwasny im grünen Burgfrau-Kostüm und ihre – ebenfalls mittelalterlich gewandete – Getreuenschar konnten der Übermacht der vereinigten Narren nicht standhalten. Da halfen auch die Karnevals-Buttons zum "700+"-Stadtjubiläum nichts. "Ursula Kwasny, mach Dich bereit – die Stunde des Abschieds ist gekommen", mahnte vor der Tür Reiner Landsch von der Großen Karnevalsgesellschaft "Grielächer" aus Orken. Zum 30. Mal dirigierte er den Rathaussturm, bereits Bürgermeister Hans Gottfried Bernrath hatte er mit "entmachtet". Die "Grielächer" setzten zusammen mit dem "Närrischen Sprötz-Trupp" Gustorf und seinen Garden, der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß "Kläävbotze" Grevenbroich und dem Neukirchener Karnevalsverein mit viel Musik und Tanz zum Sturm aufs Rathaus an.

"Als Herrin der alten Burg muss ich nun weichen", sah Kwasny ein, nachdem Närrinnen sie kurzerhand nach draußen getragen hatten. Auch das Holzschwert ihres Vize Bertram Graf von Nesselrode imponierte nicht: Das Gustorfer Dreigestirn mit Prinz Jürgen Habicht, Bauer Dirk Stranz und Jungfrau Ewald Wörmann sowie das Kinderprinzenpaar Vincent Kremer und Celina Osterholz nahmen den Stadtschlüssel zur Verwahrung bis Aschermittwoch entgegen.

Kwasny dachte aber wohl bereits an die Rückkehr, warb beim Narrenvolk mit Chips und Bonbons. Zeugen ihres Sturzes auf Zeit waren vor der Bühne wild aussehende Wikinger, stolze Ritter sowie kleine Bienen, Kühe und Frösche, die von den Schultern der Eltern den besten Überblick hatten. Doch die Schar musste erst warm werden, Reiner Landsch forderte kräftigeren Applaus für die Auftritte der Funkenmariechen und Tanzgarden – etwa die Orkener Bluebirds. Die vier Jahre alte Lorena aus Orken, Tochter des Hoppeditz Salvatore Barranco, nahm zum ersten Mal am Rathaussturm teil.

Dass Grevenbroicher Frohsinn auch ein Exportschlager ist, beweist die KG Rot-Weiß "Kläävbotze" mit Prinzessin Tamara, Solomariechen und Duo-Tänzerinnen. "Wir haben Auftritte in Duisburg, Salzgitter und anderen Städten, in Kerpen sind wir beim Zug dabei", erklärte Präsident Wolfgang Heinen (63).

Hier geht es zur Bilderstrecke: Altweiber-Treiben in Grevenbroich

(NGZ)