Grevenbroich: Narren reißen die Macht an sich

Grevenbroich : Narren reißen die Macht an sich

Vor dem Endspurt in die tollen Tage übergab Bürgermeisterin Ursula Kwasny gestern den Stadt-Schlüssel an die Jecken. Jetzt regiert das "Kläävbotze"-Prinzenpaar Wolfgang und Stefka Ernst mit der "Grielächer"-Prinzessin Lea Hüttner.

Die Bürgermeisterin hat gestern ihre Regierungsgeschäfte in die Hände der Narren gelegt. Zum Start in die tollen Tage übergab Ursula Kwasny ihren Stadtschlüssel an das Prinzenpaar der Grevenbroicher "Kläävbotze": Wolfgang und Stefka Ernst haben jetzt im Rathaus das Sagen, gemeinsam mit der Orkener Kinderprinzessin Lea Hüttner. Das muntere Trio hat sich eines vorgenommen: Es will "mit Spaß und Humor regieren" - bis dass am Aschermittwoch alles vorbei ist.

Nachdem Ursula Kwasny im Vorjahr mangels Publikumsresonanz den traditionellen Narren-Sturm auf das Rathaus abgesagt hatte, wurde die Schlüsselübergabe gestern erstmals ins Festzelt der Orkener "Grielächer" verlegt. "Damit versuchen wir mal etwas Neues", sagte die als Marienkäfer verkleidete Bürgermeisterin: "In den nächsten Jahren werden wir immer bei einer anderen Karnevalsgesellschaft zu Gast sein. In der nächsten Session ist Gustorf an der Reihe."

Zum Karnevalsauftakt war reichlich jecke Prominenz erschienen: Neben dem Gustorfer "Sprötz"-Chef Ewald Wöhrmann, der mitsamt Kinderprinzenpaar Leon Fienitz und Luzia Kremer anreiste, waren unter anderem auch Neukirchens NKV-Präsident Stefan Schiefer und "Kläävbotze"-Boss Wolfgang Heinen mit von der Partie. Durch das Programm, das mit Tänzen der "Blue Birds" aufgelockert wurde, führte der Orkener Sitzungspräsident Hans Mattheisen.

Die "Grielächer" hatten der Stadtverwaltung ihr Festzelt kostenlos für die Schlüsselübergabe zur Verfügung gestellt. "Da könnte man sicherlich mehr draus machen", sagte Vorsitzender Herbert Witte mit Blick auf die überschaubare Besucherzahl. Die Bürgermeisterin hatte nur einige wenige Lokalpolitiker im Schlepptau, die Spitzenbeamten aus dem Rathaus glänzten gänzlich durch Abwesenheit.

Witte hält es für möglich, dass die Orkener im nächsten Jahr zu einer großen Altweiber-Party einladen werden. "Für Erwachsene wird an diesem Tag stadtweit nichts mehr geboten. Eine Ü40-Fete könnte vielleicht auf Interesse stoßen", meint der "Grielächer"-Chef. Dass die Orkener für ihren Karneval begeistern können, hat Witte gemeinsam mit seinem "Vize" Hubert Landsch bewiesen. Beide gehen regelmäßig "Klinken putzen", um Mitwirkende für ihren Samstags-Umzug zu gewinnen - und das mit Erfolg. "Als wir vor fünf Jahren angefangen haben, waren knapp 300 Aktive dabei - heute sind es mehr als 800", sagt Landsch. Der Zug formiert sich morgen um 14 Uhr auf dem Kirmesplatz an der Richard-Wagner-Straße, eine halbe Stunde später setzt er sich in Bewegung. Danach laden die "Grielächer", die in dieser Session ihr 66-jähriges Bestehen feiern, zur großen "After-Zoch-Party" ein.

"Wir hoffen, dass möglichst viele Besucher kommen, denn mit dieser Party finanzieren wir unseren Karneval", betonte Herbert Witte. Da die "Grielächer" die Hans-Sachs-Turnhalle aus Brandschutzgründen nicht mehr nutzen dürfen, mieten sie nun ein Festzelt an, dessen Kosten wieder eingespielt werden müssen. "Für uns ist es daher überlebenswichtig, dass die Leute zur Party kommen", so der Vorsitzende.

(NGZ)
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