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Grevenbroich: Nacktfoto-Affäre: Polizist unter Druck

Grevenbroich : Nacktfoto-Affäre: Polizist unter Druck

Knapp ein halbes Jahr nach Bekanntwerden der Nacktfoto-Affäre um einen inzwischen suspendierten Beamten der Kreispolizei gibt es in dem Fall jetzt eine neue Entwicklung.

Zwei weitere Frauen sollen sich als mögliche Opfer des Jücheners (53) gemeldet haben. "Wir haben die Ermittlungen wieder aufgenommen", sagt Staatsanwalt Ralf Herrenbrück. Genauso wie eine 25-Jährige aus Dormagen sollen auch die beiden anderen Frauen von dem Beamten bedrängt worden sein.

Ex-Polizist Anton H. (Name geändert) hatte sich im April wegen der Vorwürfe einer 25-jährigen Frau vor dem Düsseldorfer Landgericht verantworten müssen. Die Dormagenerin behauptet, von dem Beamten ein unmoralisches Angebot erhalten zu haben.

So soll der Polizist sie nachts angehalten haben, weil sie angeblich bei "Rot" als Fußgängerin über eine Ampel gegangen war. Anschließend soll er ihr angeboten haben, auf ein Verwarngeld von fünf Euro zu verzichten, wenn sie ihm ein Nacktfoto schicken würde. Darauf soll die 25-Jährige eingegangen sein — nach dem Foto will sie von dem Polizisten weitere sexistische SMS erhalten haben.

Das Gericht hatte zum Prozessauftakt entschieden, mittels eines Gutachtens die Glaubwürdigkeit des Opfers zu überprüfen. "Inzwischen liegt das Gutachten vor", sagt Wiljo Wimmer, der Anwalt der 25-Jährigen. Demnach ist es allerdings fraglich, ob sich alles so ereignet hat, wie von der Zeugin geschildert. Sie gilt als psychisch krank.

Dennoch gerät der Beamte immer mehr unter Druck: Jetzt meldeten sich zwei weitere Frauen, die auch von ihm belästigt worden sein sollen. "Ob das stimmt, wissen wir nicht. Die Vorwürfe werden geprüft", so Staatsanwalt Herrenbrück. Anwalt Wimmer glaubt, dass sich der Fall erhärten könnte: "Sollten die beiden neuen Zeuginnen ähnliches berichten wie meine Mandantin, würde das für ihre Glaubwürdigkeit sprechen."

Naturgemäß anders sieht Verteidiger Gernot Dohmann den Fall. "Ich halte den Angeklagten für unschuldig", sagt er. In einem sind sich Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenklage allerdings schon jetzt einig: In diesem Jahr ist nicht mehr mit einem Abschluss der Ermittlungen und einer Neuauflage des Verfahrens am Düsseldorfer Landgericht zu rechnen.

(NGZ/top/url)