Nach der Kohle soll das Rheinische Revier zum innovativen Industrie-, Wohn-, Freizeit-und Bildungsstandort werden

Grevenbroich/Jüchen : Braunkohlerevier soll Zukunftsrevier werden

Im jetzt verabschiedeten Wirtschafts- und Strukturprogramm für den Strukturwandel im Rheinischen Revier sind ein „Innovationspark Erneuerbare Energien“ in Jüchen und ein „innovativer Gewächshauspark“ etwa in Neurath geplant.

Die Eckpunkte für ein Wirtschafts- und Strukturprogramm für die Zeit des Strukturwandels im Rheinischen Revier hat die Zukunftsagentur Rheinisches Revier (ZRR) jetzt beschlossen. Erftkreis-Landrat Michael Kreuzberg, Vorsitzende der Gesellschafterversammlung der ZRR, vertritt die Interessen des Rheinischen Reviers in der Berliner „Kohlekommission“. Er sagt: „Für den anstehenden Strukturwandel, der noch unsere Kinder und Enkel beschäftigen wird, haben wir genau einen Versuch – und der muss klappen.“

Nun gehört auch Mönchengladbach als stimmberechtigter Gesellschafter zur ZRR, der Grevenbroich und Jüchen ohnehin bereits über den Rhein-Kreis Neuss vertreten oder durch Landrat Hans-Jürgen Petrauschke angehören. Der Rhein-Kreis gehört auch zu den Kooperationspartnern, die das Wirtschafts- und Strukturprogramm entwickelt haben.

Zu den inhaltlichen Schwerpunkten des mit Abbildungen 42 Seiten umfassenden Papiers gehört der Ausbau erneuerbarer Energien, wobei der Standort Jüchen im Konzept bereits für einen „Innovationspark Erneuerbare Energien“ vorgeschlagen wird. Außerdem soll das Rheinische Revier den Strukturwandel nutzen, um den Wachstumsdruck aus den Zentren aufzunehmen, heißt es dort weiter. Bekanntlich verspürt Jüchen jetzt bereits den Druck aus der Rheinschiene, kann aber die Nachfrage für Neuansiedlungen noch nicht befriedigen, wozu allerdings der gemeinsam von RWE und duisport AG auch auf Grevenbroicher Gebiet entwickelte Containerterminal eine Möglichkeit bieten soll. Die Realisierung innovativer Wohnstandorte als Dörfer und Quartiere der Zukunft gibt das Strukturprogramm ebenfalls als Zielrichtung vor. Neue Standortqualitäten sollen auch durch die Schaffung und Bewerbung einer neuen touristischen Infrastruktur hervorgehoben werden. Dazu soll ein Netz schneller Radwege geschaffen werden, wie auch ein Kanal-Verbundsystem zu einem „Wasser-Dreieck“ im Rheinischen Revier. Und nicht zuletzt soll auch eine Nutzung des großen Restsees, der nach dem Tagebau verbleiben wird, zur Belebung des Tourismus beitragen.

Bei der Entwicklung neuer Wohnbauflächen soll unter ökologischen Gesichtspunkten ein innovativer Umgang mit Baustoffen, unter anderem in einem Holzcampus, bevorzugt werden. Und ganz wichtig „Das Rheinische Zukunftsrevier wird durch seine wegweisende Gründungskultur zum Innovation Valley Rheinland“, steht im Aufgabenheft des Strukturkonzeptes. Das soll ermöglicht werden durch die Förderung von Start up-Unternehmen, aber auch gezielt durch die Ansiedelung von Dependancen von Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen. Gedacht ist etwa an die TH Köln, die RWTH Aachen, aber auch an einen Ausbildungsstandort von RWE.

Natürlich soll das Rheinische Zukunftsrevier als „Standort für lebenslängliches Lernen“ die Möglichkeiten der Digitalisierung ausschöpfen. Schlagworte dazu sind virtuelle Kraftwerke, smart homes oder smart farming, intelligente Verkehrssysteme wie autonomes Fahren, aber auch die Telemedizin zur Sicherung der Versorgung im ländlichen Raum. Auch eine eigene, regionale Gesundheitswirtschaft mit einem innovative Gewächshausparks im Umfeld großer Kraftwerksstandorte, wie etwa in Neurath, schlägt das Entwicklungskonzept vor.

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