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Grevenbroich: Museum wird im Sommer zur Kneipe

Grevenbroich : Museum wird im Sommer zur Kneipe

Grevenbroichs Kneipenkultur wird im Museum wieder lebendig. Im Sommer wird in der Villa Erckens an alte Gasthäuser und Brauereien erinnert. Dafür ist die Stadt aber auf die Hilfe der Grevenbroicher angewiesen.

Bierkneipen sind in der Innenstadt rar gesät. Das war nicht immer so. 1924 beispielsweise strotzte Grevenbroich geradezu vor Gaststätten. Zwischen Linden- und Bahnstraße gab es nicht weniger als zwölf Lokale. Deren Gasträume, Säle und Sälchen waren einst ein beliebter Treffpunkt, als es noch kein Fernsehen gab. Da wurde Skat gedroschen, geklönt und gesungen — und natürlich Bier getrunken.

Daran will das Museum im Sommer erinnern. Zurzeit bereiten Thomas Wolff und Wolfgang Brandt vom Stadtarchiv eine Ausstellung vor, die unter dem Titel "Niederrheinische ALTernativen" steht. Die drei Großbuchstaben deuten es an: Es geht um das obergärige Alt, das im vorigen Jahrhundert auch aus Grevenbroich kam. "In Hemmerden, Kapellen und Frimmersdorf gab es große und kleine Betriebe, die Bier brauten. Das wird ein Thema unserer Präsentation sein", verrät Thomas Wolff.

Der Plan der beiden Kulturamtsmitarbeiter: Das Dachgeschoss der Villa Erckens soll vom 20. Juni bis zum 8. September in eine Art Kneipe verwandelt werden — mit einer Theke, vielleicht auch mit Musikbox und Flipperautomat. "Rundherum werden wir Fotos, Bildpostkarten und Dokumente anordnen, die an unsere alten Kneipen erinnern, die immer wichtige Kommunikationszentren in der Stadt waren", erklärt Wolfgang Brandt.

Was ihn als Gitarrist besonders interessiert: Die Musik, die in den Kneipen gespielt wurde — bei Schützenfest-Bällen, bei Jazz-Abenden oder später bei wilden Rock 'n' Roll-Partys. "Das werden wir bis in die 1960er Jahre hinein reflektieren, als Grevenbroicher Bands wie die ,Mods' oder die ,Vampires' tüchtig die Jugend aufmischten", sagt Brandt. Im Rahmenprogramm wird es Konzerte geben, die diese wilde Zeiten für einige Stunden zurückbringen sollen.

Unterstützt von den beiden Heimatforschern Jürgen Larisch und Manfred Ganschinietz, haben Wolff und Brandt schon einige Dokumente zusammengetragen — etwa eine Bierflasche einer Kapellener Brauerei, ein alter Bauplan von "Haus Portz" sowie viele Postkarten von historischen Kneipen und Gasthäusern aus dem Stadtgebiet.

"Wir brauchen aber noch viel mehr", erklärt Thomas Wolff. Vor diesem Hintergrund ruft er die Grevenbroicher dazu auf, nachzusehen, was auf Speichern und in Kellern noch so alles "kneipenmäßiges" lagert. "Das können Bierdeckel sein, bedruckte Gläser oder Emaille-Schilder, Plakate sowie Fotos, die feiernde Menschen in Gasthäusern zeigen. So etwas fehlt uns", schildert der Archivar. Auch eine Theke werde noch gerne genommen — leihweise, versteht sich.

Thomas Wolff und Wolfgang Brandt sind zuversichtlich, dass ihr Aufruf auf offene Ohren stoßen wird. "Denn viele Grevenbroicher haben uns vor der Eröffnung des neuen ,Museums der niederrheinischen Seele' toll unterstützt", sagt Wolff. Etliche Leihgaben und kleine Kuriositäten — wie jahrzehntealte Büchsen der Grevenbroicher Konservenfabrik Grönland — bereichern heute die Dauerausstellung in der Villa Erckens. Wer etwas hat, meldet sich unter 02181 608641.

(NGZ/rl)