Grevenbroich: Muschelblume bedroht sogar den Rhein

Grevenbroich: Muschelblume bedroht sogar den Rhein

Der Biologe Andreas Hussner (38) hat die exotische Muschelblume in der Erft erforscht. Er warnt vor weiterer Ausbreitung, etwa auf Seitenarme des Rheins. Der Erftverband prüft jetzt Strategien im Kampf gegen den Exoten.

Die aus Südamerika stammende Muschelblume fühlt sich in der Erft überaus heimisch: Nach lauen Wintern ist die Oberfläche - gerade in Seitenarmen des Flusses - fast komplett zugewachsen. Das stört das gesamte Ökosystem. Unter welchen Bedingungen die "Pistia stratiotes" gut gedeiht und wie sie sich verbreitet, das hat jetzt der Biologe Andreas Hussner von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf erforscht. Er warnt davor, dass der Exot zur Plage für den Rhein und seine Seitenarme werden könnte. "Man sollte sich Strategien überlegen, um die weitere Verbreitung der Muschelblume einzudämmen", sagt Hussner. Freiwillige könnten dazu im Frühjahr, wenn die Bestände nach dem Winter geschrumpft sind, am Erft-Ufer Pflanzen einsammeln. 70 bis 80 Helfer seien dazu notwendig.

Vor sechs Jahren überwinterte die Muschelblume zum ersten Mal in der Erft. Ursprünglich am Amazonas heimisch, fand sie hier ähnlich wohlige Bedingungen vor. Denn der Fluss, in dem RWE Sümpfungswasser aus dem Tagebau einleitet, ist dadurch deutlich wärmer als normale fließende Gewässer: Seine Wassertemperatur sinkt nie unter zehn Grad. Warum ihre massenhafte Verbreitung problematisch ist: "Das Gewässer verschattet, einige Wasserpflanzen können nicht mehr überleben, das gesamte Nahrungsnetz innerhalb des Gewässers leidet", erläutert Hussner. Zudem gibt es Einschränkungen an Wehren, für Angler und Boote. Aber wie der Wasserpflanzen-Spezialist jetzt mit Infrarotbildern nachwies, waren kleine Muschelblumen-Pflanzen resistent gegen Froste, weil ihre Blätter direkt an der warmen Wasseroberfläche lagen und ihnen somit Kälte nichts anhaben konnte. Hussner konnte zudem feststellen, wie hoch die Produktivität an Samen der Muschelblume ist. Im Herbst 2012 wurden auf einer fünf Quadratmeter großen Fläche an einem Erft-Graben mehr als 2000 Samen gesammelt. "Einen direkten Nachweis des Pflanzenaustriebs aus Samen haben wir aber nicht gefunden", so der Biologe. Demnach wäre es erfolgversprechend, die Pflanzen aufzusammeln und so zu bekämpfen. Die Ausbreitung findet wohl fast nur durch Verdriften ganzer Pflanzen statt. Zudem konnte er feststellen, dass zwischen tausend und 10 000 Pflanzen über die Erft pro Tag andere Gewässer erreichten - bis zum Rhein.

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Beim Erftverband in Bergheim beschäftigt sich der Biologe Udo Rose mit Hussners aktuellen Forschungen über die Muschelblume. "Wir haben auch bereits unterschiedliche Strategien überlegt", sagt Rose. Einer davon: "Wir wollten die Erft bei Frost auch mal durchfrieren lassen. Aber diese Idee wurde wieder verworfen." Ob eine Freiwilligen-Aktion "Mensch gegen Muschelblume" zu realisieren ist, soll jetzt nochmals geprüft werden. "Man müsste ja in einem 100 Kilometer langen Bereich sammeln", gibt Rose zu bedenken. Dazu bräuchte der Erftverband Helfer.

"Und vielleicht gibt es ja diesmal einen langen und harten Winter", hofft Udo Rose.

(NGZ)
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