Mordfall "Claudia Ruf": Neuer Gentest soll bei der Aufklärung helfen

Mord an Grevenbroicherin vor 22 Jahren: Fall "Claudia Ruf" - Neuer Gentest soll bei Aufklärung helfen

Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem schrecklichen Mord an dem elfjährigen Mädchen aus Hemmerden kommt Bewegung in den Fall. Ermittlern gelang es mit neuen Methoden, eine DNA-Spur aus dem Beweismaterial zu gewinnen.

Vor 22 Jahren erschütterte der Mord an der elfjährigen Claudia Ruf aus Hemmerden ganz Deutschland. Trotz umfangreicher Ermittlungen führte bis heute keine Spur zum Mörder. Aktuell gibt es Hinweise darauf, dass der Fall wieder neu aufgerollt werden soll.

Wie Benjamin Kluck, Sprecher der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach, auf Anfrage unserer Redaktion bestätigte, soll wegen einer jetzt gefundenen DNA-Spur noch einmal ein "erweiterter Personenkreis" überprüft werden.

Claudia Ruf war am 11. Mai 1996 nach einem Spaziergang mit dem Nachbarshund nicht mehr nach Hause zurückgekehrt. Mehr als 150 Einsatzkräfte der Polizei suchten nach dem vermissten Kind, durchkämmten auch die in der Nähe liegenden Waldgebiete.

Vierzig Stunden später fand ein Spaziergänger das tote Mädchen auf einem Feldweg bei Oberwichterich im Kreis Euskirchen. Die Polizei geht bis heute davon aus, dass der Fundort nicht der Tatort war. Der Entführer hatte die Elfjährige vermutlich schon ermordet, bevor er in den Feldweg bei Euskirchen einbog und dort versuchte, die Leiche zu verbrennen - wahrscheinlich um Spuren zu verwischen.

Nach Informationen der Euskirchener Polizei sei es nun gelungen, aus den im Mai 1996 gesicherten Beweismitteln eine DNA-Spur mit neuen Methoden zu extrahieren. Das Material sei an das Institut für Rechtsmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München geleitet worden.

Dort beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe mit der Entwicklung neuer Verfahren für eine effizientere Analyse von sogenannten Mischspuren - das sind Spuren von biologischem Material, das von mehr als einer Person stammt.

Gentest vor neun Jahren brachte keine Spur

  • Grevenbroich : Die Suche nach dem Mörder geht weiter

Vor knapp neun Jahren waren rund 350 Männer zu einer freiwilligen Reihenuntersuchung aufgefordert worden. Sie hatten 1996 entweder in der Nähe des Opfers gewohnt oder waren durch Sexualdelikte aufgefallen. Trotz des aufwendigen Verfahrens fand sich aber keine heiße Spur.

Die jetzt gewonnenen Erkenntnisse sind offenbar so aussichtsreich, dass die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach einen richterlichen Beschluss erwirkt hat, mit dem erneut eine größere Überprüfung eingeleitet werden soll.

Konkrete Spuren oder gar neue Beweise gebe es zurzeit aber nicht, dämpft Benjamin Kluck allzu hohe Erwartungen. "Ermittlungen in ungeklärten Fällen werden nie eingestellt", sagt der Staatsanwalt. Es gebe einen bestimmten Personenkreis, der jetzt noch einmal genauer unter die Lupe genommen werden soll.

Wie viele Personen in einem nächsten Schritt untersucht werden sollen, sei ihm nicht bekannt, sagt Kluck - "es wird wohl aber eine ganze Reihe sein". Der Kreis der Betroffenen habe entweder einen Bezug zum Wohnort des Mädchens oder aber zum Fundort der Leiche. Zudem würden Kriterien angewandt, die über diese Bezüge hinausgehen würden.

Nach Informationen unserer Redaktion sollen in die weiteren Ermittlungen auch Spezialisten einbezogen werden. Namentlich genannt wird Andreas Müller, der 1996 einer der ersten Kriminalbeamten am Fundort der Leiche war und heute Chef des Profiler-Teams im Düsseldorfer Landeskriminalamt ist.

Friedhelm Ruf, der Vaters des ermordeten Mädchens, ist von den Ermittlern über die neuesten Entwicklungen informiert worden. Das sagte er auf Anfrage unserer Redaktion. Weiter äußern wollte er sich dazu jedoch nicht.