Mordfall Claudia Ruf in Grevenbroich: So läuft der DNA-Test an diesem Wochenende

Mordfall Claudia Ruf in Grevenbroich : So läuft der DNA-Test an diesem Wochenende

In Hemmerden erwartet die Polizei 800 Männer zum DNA-Test im Mordfall Claudia Ruf. Weitere 800 Männer sind weggezogen. Sie werden von der Polizei an ihren aktuellen Wohnorten zum Test gebeten.

Ein Thermocycler, Fachjargon: PCR-Maschine, ist wesentlicher Teil im Prozess der DNA-Analyse. Foto: Polizei NRW

Am Freitag verwandelte die Mordkommission Claudia Ruf Klassenräume an der Schulstraße 5 in Untersuchungszimmer. Der Chef der Mordkommission, Reinhold Jordan, leitete die Gruppe, die in der Gemeinschaftsgrundschule alles für die Reihenuntersuchung vorbereiteten. Zunächst 800 Männer sind per persönlichen Einladungsschreiben gebeten worden, eine Probe ihrer DNA abzugeben. Sie waren zum Zeit der Gewalttat gegen die elf Jahre alte Claudia im Jahr 1996 zwischen 14 und 70 Jahre alt und wohnen noch immer in Hemmerden. Weitere 800 Männer sind weggezogen. Sie werden von der Polizei an ihren aktuellen Wohnort zum Test gebeten.

  • Was unterscheidet diese DNA-Reihenuntersuchung von den vorherigen? Im Unterschied zu zwei DNA-Massentests zuvor darf die Polizei nun auch auf Basis der DNA-Ergebnisse ermitteln, wenn offensichtlich nahe Verwandte als Täter in Frage kommen. Dies ist erst nach einer Gesetzesänderung aus dem Jahr 2017 möglich „Das im Labor erstellte DNA-Profil lässt die direkte Spurenzuordnung sowie die Feststellung von Verwandtschaftsverhältnissen zum Spurenverursacher zu“, heißt es in der Informationsbroschüre der Polizei.
  • Was passiert an diesem und dem kommenden Wochenende in Hemmerden? Damit der Mord und die Vergewaltigung an Claudia Ruf aufgeklärt werden kann, muss von Anfang an sorgfältig gearbeitet werden. Jeder Mann, der seine Speichelprobe abgibt, muss sich ausweisen. Das soll verhindern, dass Unbeteiligte Speichelproben unter falschem Namen abgeben. Sobald die Identität geklärt ist, bekommen Person und Probenröhrchen einen Barcode. Ab jetzt läuft die Zuordnung ausschließlich darüber. Innerhalb weniger Sekunden streift ein Polizeibeamter ein Wattestäbchen an den Innenseiten der Wangen entlang. Zu Testzwecken kann eine zweite Probe entnommen werden.
  • Wie geht es weiter? Die Wattestäbchen werden zur Untersuchung ins Landeskriminalamt nach Düsseldorf gebracht. Der LKA-Pressesprecher Frank Scheulen erläutert: „Es sind letztendlich drei Geräte, die in unseren Labors zum Einsatz kommen: erstens ein Pipettierroboter, der die DNA aus den Zellkernen jeder Probe extrahiert. Danach vervielfältigt eine PCR-Maschine (siehe Foto) die DNA und markiert sie farblich. Im dritten Schritt trennt ein DNA-Analyzer die DNA-Fragmente auf und stellt sie auf einem Bildschirm dar.“ Eine Probe durchläuft diesen Vorgang innerhalb von zwei Stunden, so Scheulen. Für alle Proben aus Hemmerden habe die Kriminaltechnik des LKA eine Zeit von zwei bis drei Monaten kalkuliert. Zwei Labortechniker seien damit beauftragt. Selbst wenn dringende, aktuelle Fälle in dieser Zeit hinzukommen, könnten die Proben aus Hemmerden weiter bearbeitet werden. Denn das meiste läuft automatisiert ab. Nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel wenn ein aktueller Fall alles Personal komplett binde, müsse die Hemmerden-Untersuchung warten.
  • Was passiert mit all den Daten und Proben nach Abschluss der Untersuchung? Die Polizei hat mehrfach versichert, dass sämtliche hierbei erhobenen Daten vernichtet und nicht für andere Datenbanken der Polizei genutzt werden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Neue Ansätze im Mordfall Claudia Ruf

Mehr von RP ONLINE