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Grevenbroich: Mittelalter-Dorf macht sich fit für Zukunft

Grevenbroich : Mittelalter-Dorf macht sich fit für Zukunft

Der Stadtplaner Heinrich Schneider sieht den mittelalterlichen Ort gut aufgestellt. Garant dafür sei die Dorfgemeinschaft, die auch das Unmögliche möglich mache – und schon für die nächsten 17 Jahre im Voraus plant.

Das im Mittelalter gegründete Städtchen Hülchrath ist gut für die Zukunft gerüstet. Zu diesem Ergebnis kommt Heinrich Schneider (60) vom Büro "La Città". Der Stadtplaner hat die Entwicklung seines Heimatortes im Rahmen eines Seminars für Architekten, Wissenschaftler und Politiker in der Zeche Zollverein in Essen vorgestellt. Dabei ging es um Strategien zum Erhalt von Städten und Dörfern in Deutschland. Schneiders Resümee: "Viele Probleme, vor denen Kommunen wie Frankfurt, Dinslaken oder Trier stehen, haben die Hülchrather bereits gelöst."

Die vor gut zehn Jahren gegründete Dorfgemeinschaft, der etwa 300 von rund 700 Einwohnern angehören, hat sich mächtig ins Zeug gelegt. Die Mitglieder sorgten für eine neue Straßenbeleuchtung, pflanzten Bäume rund um ihren Ort, kümmerten sich um die Denkmalpflege oder legten einen "Pfad der Sinne" in der Kindertagesstätte an – nur einige von vielen Beispielen.

"Das alles geschah ohne Steuerung von außen, und komplett ohne Fördermittel", unterstreicht Heinrich Schneider: "Bürger haben registriert, dass die öffentlichen Kassen leer sind – und haben selbst angepackt, weil sie Handlungsbedarf gesehen haben." Ein solches Engagement sei zwar beispielhaft, funktioniere nach Schneiders Meinung aber nur in kleineren Orten: "Sobald 2000 oder 3000 Menschen in einem Dorf leben, wird es schwierig, eine solch aktive Gemeinschaft zu bilden, da das Zusammengehörigkeitsgefühl nicht in diesem Maße vorhanden ist", so der Stadtplaner.

Alleine in den vergangenen zehn Jahren haben die Hülchrather rund 50 000 Euro in ihre Projekte investiert – das Geld kam durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Sponsoren zusammen. Und sie wollen weitermachen: Mit ihrer "Agenda 2030" hat die Dorfgemeinschaft ihre Ziele für die nächsten 17 Jahre formuliert. "Sie möchte das Erreichte bewahren und das scheinbar Unmögliche möglich machen", fasst Heinrich Schneider zusammen.

Eines der Zukunftsprojekte, dem sich die Hülchrather widmen wollen: Am Ortsrand ist ein neues Baugebiet geplant, das an die stark befahrene Landstraße 142 grenzt. "Die Dorfgemeinschaft plant dort einen Schallschutz, der offiziell nicht vorgesehen ist", schildert der Planer. Ein aufgeschütteter Wall soll es aber nicht werden, denn der würde den Blick auf das Dorf versperren. "Es soll daher etwas Transparentes werden, vielleicht aus Glas", berichtet Heinrich Schneider. Unmöglich? "Abwarten", meint der Planer.

Auch der ehemaligen Kiesgrube, die vor dem Ort liegt, wollen sich die Hülchrather widmen: "Dort hat sich ein tolles Biotop mit einem Teich entwickelt, das mit anderen Grünzonen in der Umgebung vernetzt werden könnte. Auch das ist ein Plan, der in den kommenden Jahren angepackt werden soll", berichtet Heinrich Schneider.

Der Stadtplaner sieht Hülchrath und seine Bewohner als gutes Beispiel für ähnlich große Orte in Deutschland: "Es wird kontinuierlich an der Vision eines ,Traumdorfes' gearbeitet – als funktionierende Heimat mit maximaler Lebensqualität für alte und junge, starke und schwache Menschen."

(NGZ)