Grevenbroich: Mit der MZ auf den Spuren der DDR

Grevenbroich: Mit der MZ auf den Spuren der DDR

Der Grevenbroicher Fotograf Kai Stefes wollte die Spuren der früheren DDR finden. Er reiste mit Originalausstattung - einem Motorrad MZ ES 250/1 von 1964 und einer Pentacon Six-Kamera - von Bautzen bis Zittau.

Mit einem Motorrad von 1964 aus der damaligen DDR und einer Pentacon Six-Kamera brach der Grevenbroicher Fotograf Kai Stefes (44) "Quer durch den Osten" auf - so nannte er seine Tour, die ihn zu Menschen und Monumenten aus dem früheren zweiten deutschen Staat führen sollte. Nach genau 3491 Kilometern hat Stefes sein Ziel erreicht - seine MZ ES 250/1 rollte durch das Brandenburger Tor. Zurückgekehrt ist er mit zahlreichen Eindrücken, Interviewmitschnitten, Fotos und Filmen. "Einige Filme habe ich selbst noch nicht gesehen", erzählt der 44-Jährige.

25 Jahre sind seit dem Mauerfall vergangen - und Kai Stefes stellte sich die Frage: "Was weiß ich eigentlich über die DDR, über die Menschen, die dieselbe Sprache sprechen wie ich?" Spuren dieses Staates wollte der Grevenbroicher suchen - "Spuren eines Landes, das es nicht mehr gibt, das ich nur aus dem Fernsehen kannte und das doch Teil meiner Heimat ist". Nicht überall waren diese Spuren so sichtbar, wie der Trabi, der auf einen Mast in Neu-ruppin montiert war oder die Plattenbau-Siedlungen.

Foto: Kai Stefes

Der Fotograf wollte den Ost Deutschland vons Bautzen bis Zwickau kennenlernen, seine Reise mit Schwarz-weiß-Fotos dokumentieren, mit den Menschen über ihren Alltag unter Honecker und Krenz sprechen. Dabei musste er auch dem Vorurteil "Jetzt kommt schon wieder so ein Wessi" entgegentreten. Seine Gesprächspartner jeden Alters hatte er zuvor über Bekannte und das Internet kontaktiert. "Türöffner" war oft sein Oldtimer-Motorrad: "Dafür hatte ich mich bewusst entschieden. So kam ich leicht mit den Menschen ins Gespräch." Vor dem Reiseantritt hatte er die zuvor erworbene Maschine überholen, Verschleißteile auswechseln lassen - und startete, schwer bepackt mit zwei Seitentaschenkoffern und Gepäckrolle, in Marienborn seine Tour. Ursprünglich hatte Stefes ein Reisetagebuch geplant, wollte jede Etappe seiner mehr als dreiwöchigen Tour dokumentieren. "Diesen Plan habe ich aber bald aufgegeben", erzählt der Fotograf. Damit wäre er seinen Eindrücken und den Menschen, mit denen er gesprochen hat, nicht gerecht geworden. Zudem hat er auch die Route spontan geändert, manche Stationen weg gelassen oder andere verlängert. Manchmal saß Stefes nur 50 Kilometer, dann wieder bis zu 200 Kilometer im Sattel seiner MZ. Pflichthaltepunkte waren für ihn nach Dresden, der Heimatstadt seiner Kamera, auch Zschopau, wo sein Motorrad gebaut wurde.

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Auf seine anfangs gestellten Fragen "Was ist noch da, was soll erhalten bleiben, was sollte sich noch ändern und was wäre besser erhalten geblieben?" hat der Grevenbroicher keine eindeutige Antwort finden können. "Vieles hat sich positiv verändert." Doch in Eisenhüttenstadt oder der ehemaligen Textilindustrie-Stadt Zittau müsse noch viel passieren.

Foto: Kai Stefes

Sein umfangreiches Material will Kai Stefes für ein Fotobuch verwenden: "Noch weiß ich nicht, wie es genau aussehen soll."

(NGZ)
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