Grevenbroich: Mit der Kamera um die Welt

Grevenbroich: Mit der Kamera um die Welt

Kai Stefes (40) arbeitet in Miami, Kapstadt oder an kanarischen Stränden: Als Fotograf macht er Produktkampagnen, lichtet Schauspieler oder Models ab. Seine erste Ausstellung mit Motiven aus Lissabon ist zurzeit im "Café Kultus" zu sehen. Ein Blick auf einen scheinbar leichten Traumjob.

Wenn Kai Stefes von der Arbeit kommt, sieht das für seine Freunde oft aus wie Urlaub: "Du bist aber wieder braun gebrannt." Der gebürtige Wevelinghovener (40) arbeitet da, wo andere gerne Urlaub machen: An endlosen Stränden fotografiert er ebenso für Kampagnen wie in Miami, Paris oder Lissabon. "Autos werden am besten in erstem Sonnenlicht fotografiert, dann sind die Konturen noch nicht so hart", verrät er. Oft verbindet er Aufträge mit eigenen Foto-Streifzügen. Seine Motive von Menschen und Momenten aus Lissabon sind unter dem Titel "Glückliche Melancholie" zurzeit im Café Kultus zu sehen — die erste Einzelausstellung des Fotografen, der bereits "einen großen Teil der Welt" gesehen hat.

Wie wurde der Hans-Sachs-Schüler in einem Job erfolgreich, der für viele der Inbegriff von Glamour und Abenteuer ist? Kai Stefes erzählt: "Ich war schon als Kind von der Fotografie begeistert." Mit der ersten Kamera mit Sucher, geliehen von seiner Mutter, habe er aber "kaum ein brauchbares Foto" hinbekommen. Als er Nick Nolte in dem Actionfilm "Under Fire" auf den Auslöser einer Spiegelreflexkamera drücken sah, wusste Kai Stefes, was er wollte: genau eine solche Kamera.

Seine Mutter, eine Fotolaborantin, erfüllte diesen Wunsch. Für Kai Stefes der Beginn seiner kreativen Karriere — auch wenn er zunächst den sicheren Weg wählte und sich bei der Telekom ausbilden ließ: "Von meinem ersten Gehalt habe ich eine Kamera gekauft und von da an immer mehr fotografiert." Die Konsequenz: Kai Stefes absolvierte eine zweite Ausbildung als Fotograf. Sein Ziel damals: "Einmal mit meinem Fotos so erfolgreich sein, dass ich davon gut leben kann." Das habe er heute erreicht.

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Dabei stecke hinter seine Fotos hoher Aufwand: "Wenn ich ein Auto im ersten Sonnenlicht fotografieren will, muss ich um drei Uhr aufstehen." Die Ausrüstung müsse aufgebaut werden, im Laufe des Tages neu positioniert werden — ein Tag hinter der Kamera dauere "auch schon mal 14, 16 Stunden: Man ist eben erst fertig, wenn das Motiv gelungen ist".

Spannender als Produktfotos schätzt Kai Stefes Bilder von Menschen ein: "Ich möchte den Menschen so zeigen, wie ich ihn sehe." Das gelinge bei unbekannteren Künstlern besser als bei Prominenten: "Sie sind formbarer, gehen auf Vorschläge ein." Schauspieler Peter Weck hat er porträtiert, Wencke Myhre bereits als Kameraassistent begleitet, die Grevenbroicher Musiker von "Planlos" hinter dem Mikro gezeigt. Was Kai Stefes plant: "Ich will Menschen fotografieren, die etwas zu sagen haben — wie Ehrenamtler oder pflegende Angehörige." Ein Sponsor wird noch gesucht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kai Stefes fotografiert auf der ganzen Welt

(NGZ)
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