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Grevenbroich: Mit dem Rad durch die Wüste

Grevenbroich : Mit dem Rad durch die Wüste

Irmgard Huber hat sich einen langgehegten Traum erfüllt: Mit Tourenrad, Zelt, Schlafsack und Ehemann Hans brach sie zu einem Trip in die marokkanische Wüste auf. Für die 69-Jährige ist klar: "Dorthin will ich zurück."

"Schaffen wir beide Marokko oder schafft Marokko uns?" Mit diesem bangen Gedanken stand Irmgard Huber am Flughafen Düsseldorf, während ihr Tourenrad in einem Bananenkarton verschwindet, mit Kabelbinder und Karton flugfertig gemacht wird. Ein wenig unsicher ist die fahrradbegeisterte Grevenbroicherin schon, steht sie doch mit Ehemann Hans vor einem großen Abenteuer: Mit den Rädern will das Paar Südmarokko entdecken. Von diesem Erlebnis will die heute 69-Jährige in der Vortragsreihe "Fernweh" in der Stadtbücherei erzählen – ein Erlebnis, das sie seitdem nicht mehr losgelassen hat. "Wir haben eine Nacht in der Wüste verbracht – das war unbeschreiblich. Die Stille, der Himmel, die Sterne. Dorthin will ich nochmals zurück", schwärmt Irmgard Huber.

Ziegen auf dem Dach

Das Fernweh ist ein Teil von Irmgard Huber. So beschreibt sich die 69-Jährige selbst. Mit Ehemann Hans hat sie bis 1992 die Esso-Tankstelle an der Rheydter Straße geführt, das Paar hat zwei erwachsene Kinder und fünf Enkel. "Doch das Fernweh spürt keiner von ihnen so wie ich", sagt Irmgard Huber lächelnd. Reisebücher, Filme über ferne Ländern – all' das hat sie verschlungen. Mit dem Rad hat die ADFC-lerin Istanbul oder Celje bereist, war ohne Rad in der Mongolei.

Zwei Wochen nutzten die Grevenbroicher für ihre Erkundung von Marokkos Süden. Angekommen in Agadir, werden direkt auf einer glatten Asphaltstraße die ersten Kilometer gefahren. In Biougar ist es bei ihrer Ankunft dunkel: "Es gab kein Hotel, keine Pension", erzählt Irmgard Huber. Beide können sich auf die Gastfreundschaft der Marokkaner verlassen – ein junger Mann bietet ihnen ein Quartier im Haus seiner Mutter an. Bei frischem Fladenbrot und Minztee lernen die Grevenbroicher die gesamte Familie kennen. Und am nächsten Morgen werden sie von merkwürdigem Getrippel geweckt: Die Ziegen werden vom Dach geholt.

"Ich dachte immer, Marokko sei flach", erzählt Irmgard Huber. Ein anstrengender Irrtum. Mit ihrem Mann lernt sie die Bergwelt mit kleinen Dörfern, Oasen-Städten und Berbersiedlungen kennen. Von Tafraoute geht es zur Westsahara: "Viel Steine, wenig Brot. Pro Person brauchten wir fünf Liter Wasser am Tag", sagt die Grevenbroicherin. Nach der Wüste geht die Tour weiter nach Tata, inklusive Shopping in den Souks, dann nach Tourandant. Die vor einer Schule ordentlich aufgereihten Räder hat die Grevenbroicherin direkt fotografiert: "Können Sie sich das bei uns in Grevenbroich vorstellen?"

(NGZ)