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Grevenbroich: Mit dem Käfer kam die Liebe

Grevenbroich : Mit dem Käfer kam die Liebe

Immer, wenn Monika Born-Möbius in ihren alten VW-Käfer steigt, muss sie unwillkürlich lächeln. Denn das Auto aus den 60er Jahren ist das Symbol einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte – ihrer eigenen.

Alles begann 1974. Als die heutige Volkshochschul-Mitarbeiterin Monika Born-Möbius (56) ihr Pädagogik-Studium in Aachen aufnahm, brauchte sie einen fahrbaren Untersatz. Damals kaufte sie ihrer Schwester einen verrosteten Käfer ab, den sie liebevoll "Hahn" taufte. "Die Freundschaft hielt jedoch nur eine TÜV-Periode lang", erinnert sich die Grevenbroicherin: "Dann musste das Auto aus dem Verkehr gezogen werden. Leider, denn ich habe an ihm gehangen."

Diese Story erzählte Born-Möbius vor sechs Jahren einem Mann aus Dülmen, den sie auf einer Hochzeit im Frankenland kennenlernte: Michael Pobantz. Sie zeigte ihm das Auto auf einem Foto, das sie in ihrem Portemonnaie aufbewahrt, und er wusste gleich, dass es sich um ein besonderes Modell gehandelt hatte: "Es war einer der ersten Käfer aus dem Jahr 1964 mit Stahlschiebedach – ein sogenannter Dickholmer."

Der 55 Jahre alte Bereichsleiter für Betriebstechnik des Dülkener Krankenhauses ist ein Hobby-Schrauber. In seiner Freizeit restauriert er alte Käfer und Porsche. Und als habe das Schicksal seine Fäden gezogen, stieß er nur ein Jahr nach dem Kennenlernen auf einen VW, der dem alten "Hahn" von Monika Born-Möbius glich. "Das Auto vegetierte in einer Garage vor sich hin. Für 400 Euro habe ich den Haufen Schott gekauft und sofort in Grevenbroich Bescheid gesagt", erzählt Michael Pobantz.

Monika Born-Möbius war allerdings skeptisch, als sie sich kurz darauf den Käfer in Dülmen anschaute: "Da stand dieses mausgraue Überbleibsel eines Käfers – es war schwer, mir vorzustellen, dass daraus so etwas wie mein Hahn werden sollte", berichtet sie. In etwa 1000 Arbeitsstunden entstand unter den Händen des Dülmeners das Traumauto der Grevenbroicherin.

Während dieser Zeit schaute sie immer wieder in der Werkstatt von Michael Pobantz vorbei, um die Fortschritte zu beobachten: "Über das Auto und die vielen Besuche ist die Autogeschichte dann zu einer Liebesgeschichte geworden", meint die 56-Jährige lächelnd.

Seit der Zulassung im Jahr 2007 tut der zweite "Hahn" jetzt seine Dienste bei Wind und Wetter. Kleine Details runden das Design ab: Ein Airbrush-Künstler verewigte einen Hahn auf der Motorhaube, das mundgeblasene Väschen am Armaturenbrett ist ebenfalls mit einem Gockel verziert.

Zusammen ist das Paar an den Wochenenden und im Urlaub. Beide lieben die Berge, sind naturverbunden und unternehmen lange Spaziergänge – und natürlich ausgiebige Fahrten in ihrem VW. "Wir haben feste Berufe, die wir in der jeweils anderen Stadt nicht in dieser Form ausüben könnten", meint Monika Born-Möbius. Nach dem Beruf, da sind sich beide sicher, wollen sie aber gemeinsam ihr Leben verbringen.

(NGZ)