Grevenbroich: Mit Angst über den Ostwall

Grevenbroich : Mit Angst über den Ostwall

Die Ampelphase für Fußgänger auf dem Ostwall-Überweg am Montanushof ist zu kurz, Rollator- und Rollstuhl-Fahrer schaffen den Weg nicht bei "Grün". Das ergab ein Test der NGZ. Dabei hat die Stadt die Phase bereits verlängert.

Jeden Tag geht IrmhildeIrmhilde Krause mit dem Rollator durch die City zum Montanushof — "um zu bummeln oder auch mal ein Eis zu essen". Doch auf dem Fußgängerüberweg am Ostwall ist sie oft in großer Sorge. "Den Weg schaffe ich während der Grünphase nicht.

Die NGZ machte den Test: Rollator- und Rollstuhlfahrer kommen nicht bei "Grün" über den Ostwall, Passanten mit Kinderwagen sind schneller. Foto: M. reuter

Dann habe ich Angst, dass die Autos losfahren, wenn ich noch auf der Straße bin", schildert Irmhilde Krause. Seit sieben Jahren lebt sie im Seniorenzentrum Albert-Schweitzer-Haus. "Die Grünphase hier muss länger sein, damit man auch ohne Angst hinüberkommt", erklärt sie.

Sie ist kein Einzelfall, wie ein Test der NGZ mit etlichen Passanten ergab: Ob im Rollstuhl, mit Rollator oder Kinderwagen — die Grünphasen zwischen Montanushof und Fußgängerzone ist für viele auf dem rund zwölf Meter breiten Überweg zu knapp. Täglich benutzen 16 000 Menschen den Überweg mitten in der City. 2011 hatten ältere Menschen und die Grünen längere Phasen gefordert.

Die Stadt reagierte jetzt: "Im Zuge der Umstellung auf LED-Technik haben wir die Grünphase für Fußgänger — je nach Ampelprogramm — von elf auf 13 beziehungsweise 15 Sekunden verlängert", teilt Stadtsprecher Andreas Sterken mit: "Die Zeit wird nach den Richtlinien zur Anlage von Signalanlagen berechnet". Die Faustregel: eine Sekunde je Meter Weg.

Doch für viele Passanten reicht die Zeit auch heute — nach der Umstellung — nicht: Die Ampel zeigt schon etwa eine Sekunde lang "Rot", als Irmhilde Krause beim Test erst die kleine Mittelinsel erreicht, weit weg ist vom anderen Bürgersteig vor dem Montanushof.

Gerade rechtzeitig gelangt Stephanie Palm (31) hinüber — mit flottem Tempo steuert sie den Kinderwagen mit ihrem zehn Monate alten Sohn Theo hinüber. "Wenn andere an der Ampel vor mir stehen, schaffe ich das aber nicht", erklärt sie. "Und mit dem Kinderwagen möchte ich nicht auf der schmalen Mittelinsel stehen bleiben."

Josef Brand (87) aus dem Albert-Schweitzer-Haus braucht im Rollstuhl mit seiner Helferin noch etwa fünf, sechs Sekunden bei "Rot", um drüben anzukommen. Er wünscht sich ebenfalls eine längere Grünphase. Auch Heidi Höckelmann (61) vom Sozialdienst im Albert-Schweitzer-Haus meint: "In der Umgebung liegen drei Seniorenzentren, hier sind viele ältere Menschen unterwegs. Die Grünphase muss länger sein."

Was sagt die Polizei? "Wer bei ,Grün' losgegangen ist und bei ,Rot' noch auf dem Überweg ist, darf weitergehen. Die anderen Verkehrsteilnehmer müssen warten, bis die Straße frei ist", erklärt Sprecher Hans-Willi Arnold. Die Angst bei vielen Passanten aber bleibt.

(NGZ/rl)
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