Grevenbroich: Mit 30 "AGs" gegen Unterrichtsausfall

Grevenbroich : Mit 30 "AGs" gegen Unterrichtsausfall

Die Käthe-Kollwitz-Gesamtschule versucht den Unterrichtausfall wegen akuten Lehrermangels ab sofort erstmalig mit 30 Arbeitsgemeinschaften notdürftig aufzufangen. Lehrer und Eltern führen dabei sogar ehrenamtlich Aufsicht.

Akut und extrem ist der Lehrermangel in der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule, in der die Schulleitung deshalb jetzt zu außergewöhnlichen Maßnahmen greift: Gestern ist erstmalig die bisher nicht ansatzweise erreichte Höchstzahl von 30 Arbeitsgemeinschaften (AG) für die Jahrgänge fünf bis sieben eingerichtet worden. Zur Aufsicht dieser AGs, die den regulären Unterricht naturgemäß nicht adäquat ersetzen können, werden Lehrer sogar ehrenamtlich in der Schüleraufsicht tätig. Auch etliche Eltern übernehmen Dienste im AG-Angebot: So schildert Stefan Albert, der stellvertretende Gesamtschulleiter, die Situation.

Albert ist zur Zeit mit einer detaillierten Auflistung aller Fehlstunden durch die Mangelbesetzung mit Lehrpersonal beschäftigt, die er dem Schulträger, der Stadt Grevenbroich, vorlegen will. Er hoffe auf Unterstützung, signalisiert er. Doch bei der Stadtverwaltung hieß es dazu gestern auf Redaktionsnachfrage lediglich: Der Fachbereich Schulen teile mit, dass nur das Land NRW, eventuell auch die Schulaufsicht, für die Gesamtschulen bei der Bezirksregierung zur Frage der Lehrerausstattung Aussagen treffen könne. Stadtsprecher Robert Jordan konkretisierte: "Lehrer sind Mitarbeiter des Landes. Ein Schulträger hat keinerlei Möglichkeiten, einem Lehrermangel entgegenzuwirken."

So muss sich die Käthe-Kollwitz-Schule offensichtlich alleine weiter helfen. Dabei fehlen laut Stefan Albert vor allem Lehrer in den Naturwissenschaften, aber auch in Mathematik, Englisch, Musik und Kunst. In Sport oder Biologie würden mittlerweile Seiteneinsteiger eingesetzt. Alleine bei den Referendaren entfallen laut Albert in diesem Schuljahr 91 Unterrichtsstunden und weitere 75 Stunden durch Pensionierungen von Lehrern. Ersatz sei laut der aktuellen Regelung aber immer nur für Lehrer vorgesehen, die im Mutterschutz seien oder wegen Krankheit langfristig ausfielen, erläutert Albert das strukturelle Problem. So sei für den Löwenanteil der fehlenden Lehrkräfte selbst bei verkürzter Lehrerausbildung seitens des Landes frühestens in drei Jahren mit Neuzuweisungen zu rechnen. Die 30 neuen AGs sollen nun montags bis freitags auch dazu beitragen, dass die Kinder der fünften bis siebten Klassen, die erst mit dem Bus um 16.10 Uhr in Richtung Neukirchen fahren können, bis dahin gut beaufsichtigt sind. Denn wegen des Lehrermangels müsste der reguläre Unterricht montags bis freitags schon um 15 Uhr enden. Deshalb haben sich für die Zeit, als es die Ags bislang noch nicht gab, auch vermehrt Elternfahrgemeinschaften gebildet.

Die Stadtverwaltung wird allerdings nur den 16.10-Uhr-Bus in Richtung Neukirchen anbieten bzw. finanzieren. Kinder, die keine Ags für jeden der Nachmittage gewählt haben, müssten dann weiterhin von den Eltern abgeholt werden: Diese Auskunft gab Stadtsprecherin Ines Hammelstein bereits auf Redaktionsnachfrage. Und sie sei vom Schulamt gestern erneut so bestätigt worden, berichtete auch der stellvertretende Gesamtschulleiter. Doch Stefan Abels will (noch) nicht resignieren. Bei "diplomatischen Gesprächen mit dem Schulträger" hoffe er doch noch auf die Fürsprache der Stadt beim Land NRW.

(NGZ)
Mehr von RP ONLINE