Grevenbroich: "Mister Stadtmarketing" verabschiedet sich in den Ruhestand

Grevenbroich: "Mister Stadtmarketing" verabschiedet sich in den Ruhestand

Nach fast fünf Jahrzehnten bei der Stadt Grevenbroich nimmt Robert Jordan jetzt seinen Hut: "Mister Marketing" wird Pensionär. Gemäß des alten Hits "Niemals geht man so ganz" bleibt der 65-Jährige der Stadt aber erhalten: Als kommissarischer Mitarbeiter kümmert er sich weiterhin um die Kommunikation rund ums Rathaus.

Es war die Idee seiner Eltern, die "grundsolide Beamtenlaufbahn" einzuschlagen, erinnert sich Jordan. Damals war er 16 Jahre, seine Ausbildung zum Diplom-Verwaltungswirt begann in der Villa Erckens - in der das Einwohnermeldeamt residierte "und alles von Hand bearbeitet" wurde: Zu jedem Einwohner gab es eine Karteikarte, Änderungen wurden handschriftlich vermerkt. "Das war eigenartig und ziemlich mühsam", sagt Robert Jordan im Rückblick. Noch lieber als die an Strippen hängenden "Telefone, die man heute im Museum findet" erinnert er sich an den Wechsel ins Sozialamt. "Anderen zu helfen, das war schon immer mein Ding." Als in den 70er Jahren die ersten Flüchtlinge aus Sri Lanka in Grevenbroich eine neue Heimat suchten, organisierte er das, was heute Flüchtlingsarbeit genannt wird. In den 80er Jahren brachte er den ersten Integrationsrat auf den Weg und wurde 1986 erster Ausländer-Beauftragter - eine Aufgabe, der er sich 14 Jahre widmete. "In der Zeit habe ich viel gelernt", inspirierend sei die Auseinandersetzung beispielsweise mit Menschen aus der Türkei, Polen, Italien und Spanien gewesen, aus der konzeptionell das Format "Interkulturelle Woche" entstand. Was nicht allen gefiel: Neonazis malten einen Galgen mit seinem Namen auf die Straße - "ein schlimmer Schrecken".

Parallel zu seiner politischen Laufbahn mit Stationen bei den Grünen im Neusser Stadtrat (1989 und seiner Aktivität bei der Korschenbroicher CDU (seit 2009), leitete er zwei Mal geschäftsführend die Volkshochschule und kam über Sozial- und Ordnungsamt 1999 ins Kulturamt. "Eine absolut erfüllende Aufgabe"- nicht nur, weil er viele Ausstellungen entwickelte, sondern auch so manchem bekannten Künstler begegnete. Das Aus Mitte der Nuller-Jahre im Kulturamt löste eine schwere Zeit bei Robert Jordan aus, die er selbst als Lebenskrise bezeichnet. Mit der Rückkehr als Verantwortlicher fürs Stadtmarketing fasste er im Februar 2007 neu bei der Stadt Fuß. Stolz ist er auf seine Bilanz der 57 von ihm organisierten Netzwerktreffen, Events wie Evita-Beach, City-Trödel oder der Charity-Gala "Schneeball". Allem Kulturellem bleibt der in Glehn lebende Vater dreier erwachsender Kinder, der fünffacher Großpapa ist und zusammen mit Ehefrau Margret, einem Hund und sieben Hühnern das Landleben genießt, treu: Bildende Kunst will er künftig in Korschenbroich präsentieren. "Sportler war ich nie", anstelle liebt er es, Musik zu hören, "ohne sie könnte ich nicht existieren". Er mag Patti Smith, Lou Reed und die Stones. "Egozentrik, Intoleranz und unsoziales Verhalten" bringen den sonst ausgeglichenen Mann aus dem Takt. Der Pensionär kommt zunächst für eine befristete Mitarbeit zurück zur Stadt, ehe er dann endgültig als Unruheständler aktiv wird.

(von)