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Grevenbroich: Missbrauchs-Vorwurf: Freispruch für Stiefvater

Grevenbroich : Missbrauchs-Vorwurf: Freispruch für Stiefvater

Das Landgericht Mönchengladbach hat einen heute 71-Jährigen aus Grevenbroich gestern vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs freigesprochen. Der Mann musste sich vor Gericht verantworten, weil seine Stieftochter ihn bei der Polizei angezeigt hatte.

Im Prozess ließen sich die Vorwürfe aber nicht belegen — möglicherweise waren die Anschuldigungen nur Teil eines Scheidungskriegs.

Die heute 27 Jahre alte Stieftochter hatte behauptet, seit ihrem sechsten Lebensjahr vom Stiefvater immer wieder sexuell missbraucht worden sein. "Wir konnten nicht nachprüfen, ob die Vorwürfe richtig sind", erklärte der vorsitzende Richter Helmut Hinz. Gericht und Staatsanwaltschaft hätten alles unternommen, um den Fall aufzuklären.

So hatte die Justiz ein Gutachten in Auftrag gegeben, um die Glaubwürdigkeit der Stieftochter zu überprüfen. "Sie ist auch bei der Gutachterin erschienen, hat aber dort die Aussage verweigert und gleichzeitig angekündigt, auch vor Gericht nicht mehr aussagen zu wollen. Unter anderem hat sie auch ein Attest eines Nervenarztes vorgelegt, bei dem sie in Behandlung ist", so Hinz. Ohne Aussage und Gutachten sei eine Verurteilung unmöglich — ein Freispruch war die zwangsläufige Folge.

Der Angeklagte reagierte darauf erleichtert. "Ich habe mir nie etwas zuschulden kommen lassen", hatte der 71-Jährige in seiner Stellungnahme erklärt: "Als die Vorwürfe 2007 plötzlich aufkamen, wusste ich gar nicht, wie mir geschah." Seine Frau habe sich damals von ihm getrennt, kurz danach seien die Vorwürfe erhoben worden. Die Anschuldigungen hätten ihn massiv belastet, sein Ruf sei ruiniert. "Er ist ein gebrochener Mann — auch wenn es hier heute einen Freispruch erster Klasse gibt", meinte Anwältin Doris Leines.

Letztlich konnte der Angeklagte tief durchatmen und das Gericht als freier Mann verlassen. Der Richter hatte ihm nämlich angedroht, eine mehrjährige Haftstrafe zu verhängen, wenn sich die Vorwürfe als richtig erweisen hätten — doch dafür gab es letztlich keinen greifbaren Anhaltspunkt. "Sollten die Vorwürfe doch stimmen, muss der Angeklagte das mit sich selbst ausmachen", meinte Helmut Hinz.

(NGZ/rl)