Grevenbroich: Minigolfer auf Rekordjagd

Grevenbroich : Minigolfer auf Rekordjagd

Diese Tafel kennt jeder Minigolfer: Sie hält den Bahnrekord fest und verdeutlicht Laien, dass es bis zum Könner noch ein weiter Weg ist. Den Rekord zu brechen, ist ein beinahe hoffnungsloses Unterfangen. Ein Selbstversuch.

Dieser Wolfgang und dieser Patrick müssen es ziemlich drauf haben. Ihre Namen zieren die Rekordtafel auf dem Minigolfplatz in Gustorf. Wolfgang und Patrick teilen sich den in diesem Jahr dort aufgestellten Bahnrekord. 35 Schläge haben die beiden gebraucht. Als sporadischer Ab-und-zu-mal-Minigolfer setzt einen das ganz schön unter Druck: 35 Schläge. Bei 18 Bahnen. Uff. Andererseits: So schwer sieht das Minigolfen gar nicht aus. Ball hinlegen, ins Loch schlagen. Denkste.

Denkste falsch. Dieses Minigolf ist bei weitem schwerer als es aussieht. 35 Schläge bei 18 Bahnen bedeutet, dass man höchstens zwei Schläge pro Bahn benötigen darf – und bei einer höchstens einen. Beim Selbstversuch wird schon an Bahn eins klar: Das klappt so nicht. Also müssen Ratschläge vom Fachmann her. In diesem Fall ist es eine Fachfrau: Simone Pickel. Die 39-Jährige betreibt den Minigolfplatz in Gustorf zusammen mit ihrem Mann Andreas (44). "Frau Pickel, ich habe schon drei Schläge auf Bahn eins verhauen. Was mache ich falsch?" – "Schau'n mer mal."

Der Beckenbauer-Spruch schafft Zutrauen: Das kriegen wir schon hin. Simone Pickel gibt Tipps für die Schlagtechnik. Den Schläger gerade, das Ziel anvisieren, und dann mit ruhiger Hand schlagen. Zack. Zwar kein Hole-in-one, also das Abräumen der Bahn mit nur einem Schlag. Aber immerhin: Der Ball liegt so gut, dass er mit dem zweiten Schlag ins Loch gespielt werden kann. Plopp. Ein bisschen so müssen das auch Wolfgang und Patrick machen. Doch diesen Gedanken zerstreut Simone Pickel sofort. "Für den Anfang ganz gut", sagt sie. "Aber Bahnrekordspieler brauchen hier nur einen Schlag."

Bahnrekordspieler sind für den Otto-Normal-Minigolfer ein Phantom. Beim Blick auf die anderen Spieler fällt niemand ins Blickfeld, der es besser macht. Aber es muss die Bahnrekordspieler ja geben, und man möchte sie einmal in Aktion sehen. Vielleicht gibt es eine Bahnrekordspielerzeit, früh morgens oder spät abends, zu der die Profis anrücken? "Nein", sagt Simone Pickel. "So etwas gibt es nicht."

Etwa zweimal im Jahr wird auf der Minigolfanlage in Gustorf ein neuer Rekord aufgestellt. An diesem Nachmittag wird das nicht mehr passieren. Es sei denn, Wolfgang oder Patrick schauen noch vorbei. Aber selbst dann würde es schwierig. "Ein besseres Ergebnis als 35 Schläge hatten wir erst in einer Saison", erklärt Simone Pickel. Im vergangenen Jahr lag der Rekord bei 32 Schlägen.

Von März bis Oktober öffnet Simone Pickel ihren Minigolfplatz jeden Tag um 13 Uhr. Bei schönem Wetter tummeln sich die Minigolfer dort. Manche kommen auch nur, um ein bisschen zu klönen. Immer im Blick: die Rekordtafel. Sie hängt gut sichtbar im Biergarten.

(NGZ)
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