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Grevenbroich: Mikroschadstoffe stressen Erfttierchen

Grevenbroich : Mikroschadstoffe stressen Erfttierchen

Die Kläranlagen in Grevenbroich sind Teil einer groß angelegten Untersuchung. Der Erftverband will herausfinden, welche Spurenstoffe sich in der Erft befinden - und wie sie sich auf wirbellose Klein-Lebewesen im Fluss auswirken.

Was alles außer vielen Lebewesen im Erftwasser ist - dieser Frage geht der Erftverband auf den Grund. Der Verband untersucht, welche Mikroschadstoffe, beispielsweise Arzneien und Pflanzenschutzmittel, im Flusswasser enthalten sind - und welche Auswirkungen die auf wirbellose Tiere wie Larven, Schnecken und Muscheln haben. Teil des Untersuchungsprogramms ist die Kläranlage in Noithausen.

Grevenbroich: Mikroschadstoffe stressen Erfttierchen
Foto: Erftverband / Udo Rose

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Erftverband das Forschungsprojekt "Spurenstoffagenda Erft" gestartet. Damit soll geklärt werden, welche Spurenelemente von Chemikalien auf welchen Wegen in die Erft gelangen und welche Maßnahmen nötig sind, um sie an den Kläranlagen herauszufiltern. "Noch vor einigen Jahren ließen sich solche Mikroschadstoffe in so geringer Konzentration - wir sprechen von Mikrogramm je Liter - nicht nachweisen", erläutert Biologe Udo Rose vom Erftverband. Unter anderem an zehn Kläranlagen, darunter in Noithausen und Wevelinghoven, wurden aus 800 Wasserproben circa 110.000 Datensätze gewonnen. Die sollen bis zum Herbst ausgewertet werden. Erste Erkenntnisse liegen vor. Im Wasser des Ablaufs der Kläranlage in Noithausen wurden "wie bei anderen Kläranlagen unter anderem Röntgenkontrastmittel, Antibiotika und Schmerzmittel festgestellt", berichtet der Biologe. Auf 170 Parameter vom Betablocker über Antiepileptika bis zum Rost- und Frost-schutzmittel wurden die Proben im Labor untersucht. Aufs Trinkwasser haben die Mikroschadstoffe in der Erft laut Udo Rose keinen Einfluss, da es nicht aus dem Flusswasser gewonnen werde.

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Doch wie leben Fliegenlarven, Muschel, Krebs und Co. mit diesem Chemikaliencocktail? "Es gibt Hinweise, dass sich die Spurenelemente im Wasser auf Lebewesen schädlich auswirken", sagt Udo Rose. Auch das will der Erftverband nun genauer wissen - er kooperiert beim Projekt "Ökologische Auswirkungen von Mikroschadstoffen" mit anderen Organisationen. "Die Idee war, den Zustand der Tiere anhand des Stoffwechsels festzustellen", erläutert er. "Geht es ihnen gut, legen sie mehr Reservestoffe wie Fette oder Speicherstärke an. Das ist wie beim Menschen zu Weihnachten", führt der Biologe aus. Also wurden Köcherfliegen-Larven im Labor der Uni Koblenz in unterschiedlichem Wasser gehalten und dann untersucht. Die Tierchen in unbelastetem Bachwasser hatten mehr Reserven "angesetzt" als die Larven, die im Wasser aus dem Ablauf der Noithausener Kläranlage gehalten worden waren. Diese waren "gestresster", verbrauchten mehr Energie, um den Stoffwechsel aufrecht zu erhalten. Besser wiederum ging es Fliegenlarven aus geklärtem Wasser, das mit Aktivkohle von Mikroschadstoffen bereinigt wurde. "Die Tests haben gezeigt, dass unser Untersuchungsvorgehen über den Stoffwechsel richtig ist", sagt Rose.

Die Analyse wird nun mit Proben aus dem Freiland wiederholt. Biologen zogen los und holten Kleintiere aus der Erft - unter anderem wiederum an der Kläranlage in Noithausen. Diese Wasserbewohner werden nun derzeit ebenfalls auf ihren Stoffwechsel untersucht. Die Ergebnisse sollen dann in die "Spurenstoffagenda Erft" einfließen.

(NGZ)