Grevenbroich: Mein schweißtreibender Weg zur effektiven Selbstverteidigung

Grevenbroich: Mein schweißtreibender Weg zur effektiven Selbstverteidigung

Funktional, schnell und direkt - so klappt im Notfall Selbstverteidigung. Ein Selbstversuch.

Muay Thai ist eine Kampfkunst und der Nationalsport Thailands. Hierzulande sind die Selbstverteidigungstechniken als Thai-Boxen bekannt. "Wenn Weglaufen und Hilfe rufen nicht erfolgversprechend sind, solltest Du sie drauf haben", moderiert Jennifer Dietz, die beim Training alle nur "Jen" nennen, an. Kampfsport trainiert nicht nur den Körper, sondern schult ebenso den Geist.

Jennifer Dietz (l.) ist eine erprobte Kampfsportlerin. Unermüdlich korrigiert sie bei Anfängern die Bewegungen. Foto: Woitschützke Andreas

"Es sind effektive Techniken", beschreibt die 29-Jährige, wie acht körpereigene Waffen im Notfall zum Einsatz kommen. Zwei Fäuste, zwei Füße, zwei Knie sowie zwei Ellbogen, letztere bevorzugt. "Es sind die einzigen Knochen im Körper, die nicht hohl sind", gibt die Kampfsporttrainerin anatomische Hilfestellung. "Da ist Power hinter", ergänzt Guido Schumacher, Leiter des Kampfsportcenters Grevenbroich.

Die regelmäßige Wiederholung bringt Sicherheit und Perfektion - und ist eine schweißtreibende Angelegenheit. Foto: Woitschützke Andreas

"Das Wichtigste ist, sich zu wehren, Zeit zu gewinnen - und aus der Gefahrenzone zu kommen", sagen beide. Um allerdings so flink und direkt platziert zu treffen wie Jen, reicht ein "bloß mal mitmachen" nicht. Die regelmäßige Wiederholung bringt Sicherheit und Perfektion, "das muss so normal sein wie Ein- und Ausatmen", gibt sie als Ziel vor. Bis das sitzt, fließt nicht nur literweise Schweiß. Da zwickt manch Muskelkater und tut nach x-maligen Wiederholungen ein und desselben Bewegungsablaufs auch mal Arm oder Bein weh - je nachdem, was gerade dran ist.

Ehe aber in der reinen Mädels-Truppe Übungen zur perfekten Deckung sowie dem gezielten Kick auf eine vorher definierte Körperstelle unermüdlich wiederholt werden, geht es zum Aufwärmen in den Ring. "Es ist noch nichts besseres erfunden worden", kommentiert die Übungsleiterin Hampelmann oder den sogenannten Mountain climber. "Bloß nicht zwischendurch aufhören", raunt eine Teilnehmerin ihrer rotgesichtigen Nachbarin zu. "Ganz schlecht für den Kreislauf", japst sie. Am eigenen Leib spüre ich, dass in Sachen Kondition - unerlässlich für die Selbstverteidigung nach dem Motto "Sei immer bereit" - noch immens Platz nach oben ist.

Jen hingegen bittet ungerührt zum Schattenboxen, einer Art Fangen spielen mit Schwerpunkt Beinarbeit. Dann endlich werden akrobatische Sprünge, Drehungen und elegante Bewegungen als probate Methoden des waffenlosen Kampfes näher gebracht. Wie beim Ballett scheint alles einer bestimmten Choreographie zu folgen. Eine Könnerinnen wie Jen hüpft, springt, weicht aus und schlägt zu, als würde sie an Fäden gezogen. "Alles nur eine Frage der Übung", lächelt Mitsportlerin Jasmin Büchner. Sie muss es wissen, kürzlich schlug sie mit ihren gezielten Tritten zwei Typen, die ihr Laptop klauen wollten, in die Flucht. "Ich mach' das schon seit Jahren", gibt sie zu, warum die Bewegungsabläufe so flüssig ausschauen und so zielsicher sind.

"Jederzeit und immer können Interessierte am Training teilnehmen", macht Jen Mut zum Mitmachen. Denn auch, wenn es bis zur effektiven Selbstverteidigung ein weiter Weg ist, ist der Weg dorthin "absolutes Ganzkörpertraining vom Feinsten", wie die Beteiligten schwärmen. Das Programm ist ein Workout, bei dem konzeptionell jedwede Muskelgruppe bewegt wird. Fazit meines Selbstversuchs: Tolle Sache, die nur mit langem Atem und einer gehörigen Portion Ehrgeiz zum guten Ergebnis führt.

(von)